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Ein Stück Schwäbische Alb
06.02.2017

Der Traum vom ganz besonderen Kaffee

Am ersten März-Wochenende eröffnet das neue, erweiterte Café im Lagerhaus in Dapfen mit einer eindrucksvollen neuen Fassade und eigener Kaffeerösterei.

„Kaffee ist eine Leidenschaft. Doch nur wer sein wahres Wesen kennt, kann ihn auch vollends genießen“, so sagt die Buchautorin Sara M. Brack. Ihr Mann, Christian Brack, stand mit am Beginn einer Geschichte, die jetzt, Anfang März, in dem kleinen Albdorf Dapfen einen großartigen Höhepunkt findet.

Vor über zehn Jahren begegneten Ruth und Eberhard Laepple in Rostock dem Mann, dessen Großvater Anfang des 20. Jahrhunderts nach Peru ausgewandert war und dort in umwelt- und sozialverträglicher Weise Kaffee anbaute, als es den Ausdruck fair trade noch gar nicht gab. Seitdem hat Ruth und Eberhard Laepple die Begeisterung für das Getränk und den Kaffeeanbau nicht mehr losgelassen.

Auch auf ihre älteste Tochter, Mareike Laepple, hat diese Begeisterung abgefärbt. Im Lauf von zwei Jahren hat sie bei Professor Leopold Edelbauer in Wien, dem „Kaffeepapst“ Österreichs, das Rösten gelernt.

Duft und Licht

Der lang gehegte Wunsch, eine ganz besondere Qualität zu erreichen und einen eigenen Kaffee zu rösten hat die Laepples durch viele Jahre begleitet. Ihr Lagerhaus wurde jetzt erweitert und damit ist endlich die Zeit gekommen, diesen Traum wahr werden zu lassen. In den neuen, hellen Räumen wird nun nicht mehr nur Seife hergestellt, sondern auch Kaffee geröstet.

Die Kaffeebohnen werden zumeist aus kleinen bäuerlichen Initiativen in Costa Rica, Ecuador und Honduras bezogen. Die Kontakte dorthin stammen aus persönlichen Begegnungen mit Menschen aus diesen Ländern, der Einkauf geschieht unabhängig vom Weltmarkt, und der Erlös kommt direkt den Produzenten zugute.

Mit dem warmen, malzigen Duft der Röstung und der neuen Fassade mit viel Glas und aufstrebenden Holzbalken, die wie schlanke Säulen anmuten, bietet das Lagerhaus in Dapfen nun eine hinreißende Atmosphäre. Sei es für ein Essen vor oder einen Kaffee nach einer Wanderung, sei es für ein Sonntagsfrühstück oder Veranstaltungen aller Art. Antiquarische Möbel, der Kaminofen, in dem im Winter das Feuer knistert und eine Dekoration mit liebevollen Details unterstreichen den Charme dieses besonderen Ortes.

Bei Führungen, Kaffeeverkostungen und Seminaren wird das Röster-Team um Mareike Laepple uns Genießern ihr Kaffee-Wissen weitergeben, damit auch wir eine Ahnung bekommen von dem „wahren Wesen“ dieses außergewöhnlichen Getränks.

Eine starke Entwicklung

Vor zehn Jahren wurde das Café im Lagerhaus als eine Anlaufstelle eingerichtet für Kunden, die wegen der Seifen kamen, die Eberhard Laepple produziert. Die gläserne Produktion und die Seifen-Workshops, in Verbindung mit dem Café und den selbstgemachten Schokoladen, fanden schnell großen Zuspruch. Ein Konditormeister und Chocolatier wurde eingestellt, zwei weitere folgten, ebenso eine Auszubildende. Das gesamte Personal des Lagerhauses zählt mittlerweile weit über 30 Personen.

Mit Ausbildungen in der Barista-Technik und anderen Fortbildungen wurde die Kaffeezubereitung bis an die geschmackliche Höchststufe hin verfeinert. Doch bei aller Professionalisierung blieb die unbeschwerte Herzlichkeit erhalten, mit der jeder Gast bedient wird, als sei es auch heute noch etwas ganz Besonderes, den weiten Weg hierher zurückgelegt zu haben.

Mit kulturellen Veranstaltungen haben die Betreiber gezeigt, dass es ihnen nicht einfach nur um einen Café-Betrieb geht, sondern um die Pflege einer Kultur, bei der Genuss eine große Bedeutung hat. „Die Wertschätzung eines guten Kaffees, die Verwendung regionaler Zutaten, die Art zu Kochen – auch das gehört zur Genusskultur“, sagt Eberhard Laepple.

Regionalität ist Trumpf

Raffinierte Kreationen aus traditionellen Zutaten wurden ein Markenzeichen für den Ideenreichtum Eberhard Laepples. Musmehl- oder Linsenkuchen, Ziegenkäse- und Albsinth-Pralinen stechen dabei besonders hervor.

Die neuste Kreation ist ein echter Muckefuck, Getreidekaffee wie früher, aus Zichorie, Lupinensamen, Gerstenmalz und Urdinkel – alles von der Alb. Der Bio-Bauernhof Weibler etwa, aus Auingen, liefert hierfür hervorragende Qualität. Hinzu kommen die Kerne der Knorpelkirschen, die Gunter Hahn für seinen Schnaps verwendet hat. Ein abenteuerlicher Weg war es für Eberhard Laepple, herauszufinden, wie er diese ungewöhnlichen Zutaten mahlen und rösten muss. Aber das Ergebnis zeigt, dass die Mühe sich gelohnt hat.

Mit der Zeit wurde auch die Küche immer wichtiger im Lagerhaus. Jürgen Autenrieth, damals Mitinhaber des Hotels Hermann in Münsingen, stand hier Pate und gab dem Lagerhaus-Team wertvolle Unterstützung. Die Liste der in der Speisekarte aufgeführten Lieferanten liest sich heute wie das Who-is-Who der regionalen Spitzenproduzenten.

Mit seinem SchwäbischQuerbeet, einer Neuinterpretation alter schwäbischer Rezepte in 15 Gängen, hat Eberhard Laepple ein ultimatives Erlebnis schwäbischer Esskultur erfunden. Das Lagerhaus gehört zu den Biosphärengastgebern, einer Gruppe von circa 20 hochrangigen Gastronomen, die sich der Verbundenheit zu ihrer – inzwischen zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb erhobenen – Heimat in besonderer Weise verpflichtet fühlen.

Ein neuer Höhepunkt

Mit dem Einzug der Rösterei und der beeindruckenden neuen Fassade kommt die Entwicklung, die das Lagerhaus in den vergangenen zehn Jahren genommen hat, zu einem neuen Höhepunkt. Was mit viel Improvisation und Einfallsreichtum begann, ist nun zu einem starken Gesamtkonzept gewachsen, in dem eine Kultur des Genießens mit zahlreichen Facetten zusammenkommt.

Beginnend mit der wunderschönen Lage auf der Alb und der klaren Luft, über eigenen Kaffee, Kuchen und Schokolade, die kreative regionale Küche, die herrlich duftenden Seifen und andere Produkte regionaler Anbieter, die hier verkauft werden, bis zu den liebevoll und aufwändig gestalteten Räumlichkeiten atmet alles den Geist eines Alb-verliebten, kreativen und erfinderischen Originals.

Titel der neuen Ausgabe von Marktleben

Eberhard Laepple (Bild Marktleben)

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