50 Jahre Schneehöhenmessung in Engstingen
Der Klimatologe Roland Hummel beobachtet und notiert das Wetter und den Schnee seit seiner Jugendzeit.
Die Winter werden schneeärmer - weniger Schneedeckentag
Heuer bleibt man vom ersten Frühwintereinbruch in unserer Region ja noch verschont, auch gibt es aktuell noch keine Anzeichen für die ersten Herbstschneefälle. Wie der kommende Winter in Sachen Schnee und Kälte sein wird, kann man zum derzeitigen Zeitpunkt nicht vorhersagen. Wie er schließlich war, werden wir alle dann im nächsten Frühjahr wissen. Ganz genau weiß und einordnen kann das dann ein Mann aus Engstingen, der diese Klimaeigenschaften seit nunmehr 50 Jahren im Fokus hat. Roland Hummel, der in der Region bekannte Wetterexperte und Klimatologe, bei den Einheimischen „der Wetterfrosch“, kann nämlich genau am 21.10.2020 auf eine 50-jährige Be-obachtungsreihe zurückgreifen.
Das Interesse für das Wetter kam durch eine kleine Wetterstation, die er von 1962-1966 als Grundschüler der Freibühlschule in Großengstingen vorfand. Temperatur, Feuchte und Luftdruck waren die dortigen Parameter. Als gebürtiger Älbler hatte man im Kindes- und Jugendalter auch im Winter seine Freude, wenn man einen richtigen Winter mit viel Schnee hatte. Der Winter 1969/70 hatte richtig viel Schnee und hielt lange an. Das machte den jungen Wetterfrosch, der inzwischen das ehemalige Progymnasium in Pfullingen besuchte, neugierig und er dachte sich: Die Schneehöhen will ich im nächsten Winter auch einmal notieren und die Wintereigenschaften beobachten. Aus dem einen Winter sind inzwischen deren 50 geworden.
Am 21.10.1970 war es dann soweit. 1 cm Schnee war der erste Eintrag im neu geschaffenen Klima-tagebuch. Von diesem Termin an wurde dann jeder Schneefalltag und Schneedeckentag notiert. Diese akribische Tätigkeit hat Hummel bis zum heutigen Tage zumeist selber gemacht, sein Vater und seine Schwester haben ihn aber bei Abwesenheit durch seine Bundeswehrzeit, Urlaub oder wenigen Krankenhausaufenthalten tatkräftig unterstützt. Bekannt sind ja seine zahlreichen Aufenthalte im Schneeland Schweden, in den 90iger Jahren durch Daimler Mitflüge zu deren Kälte- und Schnee-testregionen in Lappland, später dann durch seine Wasalauf-Teilnahmen Anfang März in Mittel- schweden in Mora (Skilanglauf 94 km, 10 mal in Folge).
Nach dem Bund machte Hummel seine Wetterleidenschaft zum Beruf. Beim Deutschen Wetterdienst erfolgte eine Ausbildung zum Wetterbeobachter und Wetterfernmeldetechniker. Nach einer fast
20ig-jähriger Beamtenlaufbahn verabschiedete sich der Wetterexperte vom Hauptarbeitsplatz am Stuttgarter Flughafen und gründete am 01.01.2000 seine eigene Wetterfirma WETTERRING 2000+ in Engstingen. Im Rahmen dieser Firma macht er seither „alles rings ums Wetter“, die Klimastation in Engstingen beobachtet und notiert die wichtigsten Wetterparameter nach internationaler Norm bereits seit 1987. Die neue Klimaperiode von 1991-2020 ist somit am Jahresende komplett und wird im Laufe des neuen Jahres nach diversen Auswertungen und Berechnungen dann sicher interessante Dinge über das aktuelle Klima und seine Veränderungen liefern.
Sämtliche Schneestatistiken der Wetter- und Klimastationen basieren dann international auf dieser Zeitreihe. Die Engstinger Reihe ist natürlich mit 50 Jahren sogar noch etwas aussagekräftiger. In den Wetterarchiven der Mittleren Alb gibt es natürlich auch schon Schneemessungen seit ca. 1900, die jedoch nur temporär gemacht wurden. Interessant sind natürlich auch die Schneedaten aus Genkingen und St. Johann, die alle Kriegswinter des 2. Weltkrieges beinhalten. So weiß auch der Engstinger um manche Wintereigenschaft in der näheren Umgebung vor seiner Beobachtungszeit.
Einige Fakten nun zur Schneehöhenmessung: um 07.00 MEZ werden jeden Tag mehrere Wetterparameter beobachtet oder abgelesen. Dabei ist hier auch die tägliche Schneehöhe, falls vorhanden. Gemessen wird mit Schneemesspegeln oder dem Zollstock an mehreren Stellen, dann wird ein Mittelwert gebildet. Man unterscheidet dabei noch zwischen der Gesamtschneehöhe und der in den letzten 24 Stunden gefallenen Neuschneehöhe. Der Nachteil von nur einer Messung am Tage ist jedoch, dass Schneedecken, die z.B. nur stundenweise aufgetreten sind, ignoriert werden. Dieses hat Hummel nachdenklich gestimmt und so hat er in einer eigenen Spezialschneeliste von Beginn an auch die täglich höchste Schneehöhe notiert. Somit ist also jede noch so kurz vorhandene Schnee-decke in der Engstinger Schneeliste vermerkt worden. Das gibt es bei keiner anderen Wetterstation.
Aus diesem Grunde musste Hummel daher natürlich auch manchmal zur Mitternachtsstunde die Messungen im Klimagarten machen, denn bei Neuschneefall oder auch Tauwetter waren zur diesem Zeitpunkt erst oder bereits die höchsten Schneehöhen des Tages anzutreffen.
Zahlen, Fakten, Trends, Highlights aus der 50-jährigen Schnee- und Winterzeit:
Klimastation Engstingen (705 m NN):
Zu einer Schnee- und Winterbilanz gehören Schneemenge, Schneetage und der Hauptwintermonat.
Nimmt man die täglich um 07:00 MEZ gemessene Gesamtschneehöhe (cm), so erhält man am Ende des Winters eine Gesamtsumme (in cm). Diese beträgt in Engstingen im Zeitraum von 1970/71 – 2019/20 (50 Winter) im Durchschnitt 971 cm.
In den ersten 25 Jahren waren es noch 1033 cm, in den letzten 25 Jahren nur noch 971 cm.
82 Schneetage gab es im Durchschnitt von 1970/71 – 1994/95, 76 Schneetage im Durchschnitt von 1995/96 – 2019/20. Das schneereichste Jahrzent war 1980/81 – 1989/90, schneearm waren besonders die 90iger Jahre und das letzte Jahrzehnt ab 2010/11.
Schneereichste Winter: 2005/06: 2720 cm (135 Schneetage), 2004/05: 2154 cm (90 Schneetage), 1972/73: 2102 cm (149 Schneetage).
Schneeärmste Winter: 1989/90: 120 cm (37 Schneetage), 2019/20: 123 cm (29 Schneetage), 2013/14: 160 cm (52 Schneetage), 2006/07: 188 cm (30 Schneetage).
Hauptwintermonat: Januar: 18 mal, Februar: 16 mal, Dezember: 7 mal, März: 7 mal, November: 2 mal.
Höchste Schneehöhen: März 1988: 72 cm, März 2006: 65 cm, Dezember 1981: 51 cm, Februar 1978: 50 cm.
Schneereichste Monate: März 1988 (34.4 cm), März 2006 32.5 cm), Dezember 1981 (31.6 cm), Dezember 2010 (28.2 cm), Januar 1981 (28.1 cm).
Erster Schneefall: 13.09.1996 (im Durchschnitt 29.10.)
Erste Schneehöhe: 24.09.2002 (im Durchschnitt 06.11.)
Letzte Schneehöhe: 16.05.1991 (im Durchschnitt 15.04.)
Letzter Schneefall: 03.06.2001 (im Durchschnitt 28.04.)
Weihnachten: Weiße Weihnachten: 30 mal, davon aber nur 11 mal mit einer Schneehöhe über 10 cm.
Kuriosum: Der September 2002 hatte mehr Schnee, als die drei nachfolgenden Monate zusammen (Oktober+November+Dezember).
www.wetterring.de WETTERRING 2000+ (FACEBOOK) Roland Hummel



