Albgipfel
Die Gastronomie mit Wanderheim am Roßberg in Gönningen lohnt sich nicht nur der Aussicht wegen. Auch die hervorragende schwäbischen Küche lockt viele Gäste.
Nicht bloß um die Aussicht zu genießen
Noch undenkbar schien es vor 200 Jahren, einen Berg wie den Roßberg zu besteigen „blos um die Aussicht zu genießen“, so schreibt es Christoph Pfaff 1794 in einer der ersten Reisebeschreibungen über die Schwäbische Alb. Zu Beginn des 19ten Jahrhunderts aber entdeckten die Menschen die Dimension von Freiheit, die in dem weiten Panoramablick über Berge und Täler liegt.
Heute sind die Reisemöglichkeiten besser. Die Alpen, die vom Roßberg aus zu sehen sind, sind nicht mehr so unerreichbar weit weg wie damals. Dennoch hat der Blick über die Albgipfel zur einen und die Fläche über Reutlingen hinaus, zur anderen Seite, nichts von seiner Faszination verloren.
Auf, du junger Wandersmann!
Als Ziel einer Wanderung ist der Roßberg immer eines der lohnendsten Ziele auf der Schwäbischen Alb. Nicht nur wegen der Aussicht vom Turm herab oder von der wunderschönen Terrasse. Auch die Einkehr im Roßberghaus ist ein echter Höhepunkt. Die Küche von Svetlana Sadowski findet nicht nur unter Wanderern viele, die sie schätzen.
Da man bis ans Haus hin fahren kann, kommen viele direkt hier hoch, um die hervorragende schwäbische Küche zu genießen. Spätzle, Soßen, Maultaschen, das alles ist hier selbst gemacht. Beim Einkauf wird auf Regionalität und Saisonalität geachtet. Das Wild bringen regionale Jäger, die direkt beim Roßberghaus anrufen, nachdem sie etwas erlegt haben.
Kuchen, warme Schokotörtchen, Pralinen und andere Süßigkeiten, aber auch Ofenschlupfer und Kaiserschmarren – die süße Küche und Backstube des Roßberghauses muss man probiert haben. Wenn Sie warm essen wollen, sollten Sie jedoch darauf achten, rechtzeitig anzukommen, denn um 19 Uhr schließt die Küche.
Hoch hinauf
Als Michael und Svetlana Sadowski im letzten Jahr das Roßberghaus übernommen haben, war das ein großes Jahr für den Roßberg. Der Schwäbische Albverein errichtete 1913 zu seinem 25-jährigen Jubiläum den Turm. Als er vor hundert Jahren eingeweiht wurde, kam die schier unglaubliche Zahl von rund 20.000 Menschen zur Feier auf den Berg.
Seitdem haben sich Menschen aus aller Welt in das Gästebuch eingetragen, das hier ausliegt. Nicht nur um zu rasten und zu essen, auch um zu übernachten ist das Roßberghaus ein begehrter Ort. Das Wanderheim bietet Zimmer mit zwei, vier, sechs, acht und 10 Betten an, insgesamt 64 Betten in 15 Zimmern, fünf davon im Turm. Wer nachts den Wind um die Mauern rauschen hört, spürt, auch mit geschlossenen Augen, wie nah er der Natur hier ist.
Eine gute Nacht
Die Ausstattung des Wanderheims ist angemessen und gepflegt, das Frühstück mit den selbst gemachten Marmeladen und dem Brot aus dem eigenen Ofen ein Genuss für sich. Jörg Künstner, zuständig für Organisation und Service, sorgt mit ruhiger Hand und viel Erfahrung für einen reibungslosen Ablauf. Schon seit 1990 arbeitet er hier.
Der Roßberg ist nicht nur für Wanderer ein guter Platz. Auch Schulklassen sind hier gerne zu Gast, um eine Woche mitten in der Natur zu verbringen, mit Geländespielen und abendlichem Lagerfeuer. Für viele Schüler der Klassen fünf bis neun ein unvergessliches Erlebnis, ohne weite Fahrten und hohe Kosten.
Für Familienfeste ist die preiswerte Übernachtungsmöglichkeit ein attraktives Argument, wenn man dabei die vorzüglichen Weine und regionale Spirituosen ohne Sorge um den Heimweg genießen möchte. Aber auch Firmen haben sich hier schon eingefunden, um Seminare für Kommunikation oder Teamentwicklung abzuhalten, die zu der einfachen, naturnahen Umgebung passen. Michael Sadowski, im Hauptberuf Dipl. Betriebswirt weiß, dass der Charme und die Außergewöhnlichkeit, die das Haus für Firmen hat, Menschen offener macht, helfen kann, neue Prozesse und Ideen anzuregen.
Da sind sich alle gleich
„Beim Wandern sind doch alle gleich“, sagt Michael Sadowski fröhlich. Ob arm oder reich, die unerschöpflich große Natur, mal rau mal sanft, ist für alle eine Herausforderung und ein Geschenk. Der Roßbergturm ist ein Wahrzeichen der Wanderbewegung, des Schwäbischen Albvereins, dem Wunsch nach Naturverbundenheit und Freiheit. Während der Blick schweift über die weite Landschaft spüren wir etwas deutlicher, wer wir selber sind. Wie kann da einer sagen, wir wollten bloß die Aussicht genießen!