Mythos Schwäbische Alb
23.03.2026

Anschluss der Gemeinde Heroldstatt an ehemaligen Truppenübungsplatz: Beteiligte einigen sich auf Kompromiss

Die Gemeinde Heroldstatt grenzt östlich an den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen (TrÜbPl) an. Von dort gibt es jedoch keinen direkten Zugang zum Gelände, das durch den Landkreis Reutlingen verwaltet wird. Die Gemeinde ist deshalb auf den Landkreis mit dem Wunsch zugekommen, den Schotterweg im östlichen Teil des Platzes auf Höhe des Heroldstätter Turms für die Allgemeinheit zu öffnen.

Nach einem gemeinsamen Austausch mit weiteren Beteiligten ist für alle nachvollziehbar, dass dies aus rechtlichen sowie aus Naturschutzgründen, vor allem aber aus Sicherheitsaspekten nicht realisierbar ist. Gefunden worden ist ein Kompromiss: Die sogenannten TrÜP-Guide-Touren sollen wiederbelebt und für die geführten Touren die gewünschte Route genutzt werden.

 

Bürgermeister Michael Weber lädt zum Austausch
Seit vielen Jahren wünscht sich die Gemeinde Heroldstatt einen unmittelbaren Anschluss an den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Bislang müssen die Heroldstätter entweder nach Münsingen oder nach Laichingen, um Zugang zum Platz zu bekommen. Im Rahmen des Beitritts der Gemeinde Heroldstatt zum Biosphärengebiet ist der Wunsch nach einer „eigenen Anbindung“ wieder erstarkt. Auch aus Sicht des Alb-Donau-Kreises wäre ein direkter Zugang von Heroldstatt zum Truppenübungsplatz wünschenswert.

Hiermit solle zum einen den Bürgerinnen und Bürgern aus Heroldstatt ein direkter Zugang zur dort einzigartigen Flora und Fauna ermöglicht werden, zum anderen erhoffe sich die Kommune durch die Anbindung eine Förderung der örtlichen Gastronomie sowie eine Stärkung des Tourismus durch Besucherinnen und Besucher des ehemaligen Militärgeländes, erklärt Bürgermeister Michael Weber. Seitens der Gemeinde Heroldstatt wurde die Öffnung des Schotterweges im östlichen Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes auf Höhe des Heroldstätter Turms angedacht.

Da sich das Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes auf der Gemarkung des Landkreises Reutlingen befindet und durch dessen Kreisverwaltung verwaltet wird, ist das Ansinnen an den Reutlinger Landrat, Dr. Ulrich Fiedler, übermittelt worden. 
Aufgrund der Komplexität der Thematik fand im Januar 2026 auf Einladung von Bürgermeister Michael Weber eine Besprechung mit allen Beteiligten im Rathaus in Heroldstatt statt. Teilgenommen haben Heiner Scheffold, Landrat des Alb-Donau-Kreises, Dr. Ulrich Fiedler, Landrat des Landkreises Reutlingen, Philipp Hirrle, Ordnungsdezernent beim Landratsamt Reutlingen, Marco Reeck als Vertreter der Bundesanstalt für Immobilien (Leiter des Bundesforstbetriebes Heuberg) sowie der Leiter der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Achim Nagel.

Öffnung für Allgemeinheit nicht umsetzbar
Nach umfangreichem Austausch waren sich alle Beteiligten einig, dass der angedachte Zugang im östlichen Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes aus rechtlichen und Naturschutzgründen, vor allem aber aus Sicherheitsaspekten nicht realisierbar ist. Deshalb wird es auch grundsätzlich nicht mehr möglich sein, das freigegebene Wegenetz zu erweitern, stellt Landrat Dr. Ulrich Fiedler klar.

Beim ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen handelt es sich aufgrund der jahrzehntelangen militärischen Nutzung um ein stark munitionsbelastetes Gelände. Insbesondere im östlichen Teil des Geländes sei von einer hohen Munitionsbelastung auszugehen, betont Marco Reeck. Auch wenn das bisherige Schutz- und Sicherheitskonzept der Gefahrenlage entlang des bislang freigegebenen Wegenetzes ausreichend gerecht wird, wäre bei einer Ausweitung des Wegenetzes der Erlass einer Polizeiverordnung durch das Landratsamt Reutlingen erforderlich. Zunächst müsste jedoch der Eigentümer des Geländes ein Schutzkonzept erstellen, welches die Einhaltung aktueller Sicherheitsstandards gewährleistet. Um diese zu erfüllen, müsste der Bereich entlang des Weges umfangreich beräumt werden. Im Hinblick auf die öffentlichen Haushalte wäre das finanziell jedoch nicht machbar. Zudem könnte eine Beräumung nicht mit den Belangen des Naturschutzes in Einklang gebracht werden.

Der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen ist Kerngebiet des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, FFH-Gebiet („Münsinger Alb“) und Vogelschutzgebiet („Mittlere Schwäbische Alb“). Wesentliches Merkmal des ehemaligen Truppenübungsplatzes ist, dass er für die Öffentlichkeit nur auf ausgewiesenen Wegen zugänglich ist. Das führt zu einer sehr geringen Störungsintensität. Er zählt nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den „zu bewahrenden großflächigen, weitgehend unzerschnittenen Landschaftsräumen“. Insbesondere der südöstliche Teil des Geländes ist seit Jahrzehnten nahezu unberührt.

Das Gelände bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen störungsfreien Lebensraum. Er zeichnet sich durch eine herausragend hohe Dichte an Bodenbrütern wie der Heidelerche aus, die am ehemaligen Truppenübungsplatz die größten Bestände Baden-Württembergs hat. Weitere herauszuhebende Zielarten des Vogelschutzgebiets sind zudem Bodenbrüter wie Braunkehlchen.

Um diese einzigartige Fauna und Flora dauerhaft zu erhalten, wurde im Jahr 2021 eine Vereinbarung geschlossen, die den Status-Quo des seit 2006 geöffneten Wegenetzes erhalten sollte. Die Vereinbarung wurde durch den Landkreis Reutlingen, das Regierungspräsidium Tübingen, die Bundesanstalt für Immobilien und durch Naturschutzverbände unterzeichnet. Erklärtes Ziel der Vereinbarung ist es, das Gelände vor sukzessiver Erschließung und somit langsamer Entwertung zu schützen. Eine Erweiterung des Wegenetzes um mindestens 1,5 Kilometer, wie von Heroldstatt angedacht, sei mit diesem Ziel nicht vereinbar, erklärt Landrat Dr. Ulrich Fiedler und gibt damit die einhellige Auffassung der damaligen Vertragspartner wieder.

„Wir verstehen die Belange der Gemeinde Heroldstatt uneingeschränkt und haben uns die Sache nicht leicht gemacht“, betont Landrat Dr. Ulrich Fiedler. Das Ergebnis sei jedoch eindeutig und eine Öffnung für die Allgemeinheit nicht möglich, führt er fort.

Stärkere Vernetzung zwischen Heroldstatt und Biosphärengebiet
Gemeinsam konnten die Beteiligten jedoch einen Kompromiss finden: Statt der erwünschten Zuwegung für die Allgemeinheit sollen auf der besagten Route die sogenannten TrÜP-Guide-Touren wiederbelebt werden. Mit den geführten Touren soll künftig ein direkter Zugang außerhalb der Brut- und Setzzeiten (September bis Mitte Februar) zum ehemaligen Truppenübungsplatz von Heroldstatt aus möglich sein. Konkret bietet Marco Reeck bereits zum Ende der Sommerferien kostenlos geführte Touren an zwei Sonntagen pro Monat bis Ende 2026 an. Im nächsten Jahr sollen diese Touren, wenn möglich, ausgeweitet werden. Darüber hinaus ist die Gemeinde Heroldstatt bereits mit der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets und den Anrainerkommunen um das ehemalige Militärgelände im Austausch, um insgesamt die touristische Einbindung der Gemeinde in das Biosphärengebiet und den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen zu verbessern. Eine Maßnahme soll dabei priorisiert verfolgt werden: der allgemein zugängliche „Heroldstätter Turm“ soll aufgewertet und attraktiver für Touristen und Bürger werden.

Insgesamt werde so das Ziel, die stärkere Vernetzung zwischen Biosphärengebiet und Heroldstatt, erreicht, wenn auch anders als ursprünglich gedacht, zeigt sich Landrat Heiner Scheffold zuversichtlich.

 

Datum

23.03.2026