Die neue Ausgabe Marktleben: Albtextil - Lieblingsstücke leben
Aus der Sehnsucht nach einem besseren Morgen hat in Hayingen ein kleines Team begonnen, unter der Marke Schwabenpower zeitlose Mode zu produzieren, regional, ökologisch, fair und ehrlich. Ihr neues Pop-Up-Ladengeschäft eröffnet in Kürze im Herzen von Zwiefalten.
Man könnte ja mal versuchen, einfach wieder normal zu sein. Dinge so zu tun, wie man es für vernünftig hält, ohne Rücksicht auf das, was üblich ist, was alle machen oder was Geld spart. So viele Bereiche gibt es in unserem Leben, in denen Dinge üblich geworden sind, die wir im Grunde doof finden.
Die Textilbranche ist ein gutes Beispiel dafür. Die einzelnen Fertigungsstufen der Kleidungsstücke werden dermaßen über die Welt verteilt durchgeführt, dass sie zigtausend Kilometer gereist sind, bevor sie beim Händler und in unseren Schränken liegen. Die Produktionsbedingungen sind oft katastrophal, was dann pro Stück ein paar Cent einspart, aber die Umwelt massiv belastet. Auch den Chemie-Einsatz bei den Massen-Textilien hinterfragen nur wenige. Nicht zuletzt wirkt sich all dies auf das Gleichgewicht der Erde und über unsere Haut auf die Gesundheit und unser Wohlbefinden aus.
„Das muss doch alles nicht sein, das muss doch auch anders gehen“, dachte sich die Familie Schrode in Hayingen. Mit ihrer Firma MTS ist sie seit über 20 Jahren im Baugewerbe tätig und durch ihren Ideenreichtum in dieser Zeit auf 200 Mitarbeiter angewachsen. Sie haben unter anderem ein Verfahren entwickelt, mit dem Erdaushub nicht mehr deponiert werden muss, sondern direkt wiederverwendet wird, und sind auch gleich in die Produktion der dafür notwendigen Maschinen in Hayingen eingestiegen. So werden Kies und Transporte eingespart – ein großer Gewinn für die Umwelt.
Schwäbisch im besten Sinn
„Unsere Werte von einem nachhaltigen und fairen Umgang mit Kunden, Umwelt und Mitarbeitern wollten wir auch in der Textilproduktion verwirklichen“, erklärt Steffi Schrode. Zunächst war nur an ein paar Merchandise-Artikel für die Firma MTS gedacht, doch schnell entwickelte sich daraus eine Marke, auf die der Name Schwabenpower nicht besser passen könnte. Die T-Shirts, Sweatshirts, Hoodies, Jacken und Accessoires für Damen, Herren und Kinder stehen für ein Lebensgefühl.
Schwäbisch im besten Sinn sind der Mut, der Tatendrang und die erfinderische Kreativität, mit der sich das kleine Unternehmen dem hart umkämpften Textilmarkt stellt. Schwäbisch im besten Sinn auch die Verbundenheit zu Mitmenschen und Natur, die Zusammenarbeit mit regionalen Produktionsstätten und die Ehrlichkeit im ökologischen Handeln.
Schwabenpower bezieht bio-zertifizierte Baumwolle aus Griechenland und der Türkei. Sämtliche Schritte der Produktion, vom Stricken über das Färben bis hin zur Konfektionierung, werden in Betrieben in einem Umkreis von 50 Kilometern ausgeführt. So kann man sich sicher sein, dass unter guten Arbeitsbedingungen produziert wird und man spart CO2, da nur sehr geringe Transportwege entstehen.
So fühlen sich Lieblingsstücke an
Wer den Gedanken der Nachhaltigkeit wirklich ernst nimmt, der achtet allerdings nicht nur auf eine nachhaltige Produktion. Die Frage ist auch, wie lange ein Produkt hält und schön bleibt. Da zeigt sich die Qualität der Schwabenpower-Stücke, die mit ihrem zeitlosen Design bewusst so gehalten sind, dass sie sehr lange tragbar bleiben. Lieblingsstücke wollen sie sein, die einen durchs Leben begleiten.
„Da wir auf die vielen chemischen Zusätze verzichten, die sich in herkömmlich hergestellten Kleidungsstücken finden, tragen sich unsere Teile angenehm anders“, erklärt Petra Siegle. Man fühlt das Naturmaterial, das durch die eigene Körperwärme schnell anschmiegsam und kuschlig wird. „Die Masche lebt“, sagt die Leiterin von Schwabenpower, „wenn sie nicht chemisch standardisiert wurde“. Ein In-Form-Ziehen nach dem Waschen, eine pflegliche Behandlung gehört also dazu, wird aber mit einer langen Lebensdauer belohnt.
Nicht nur die Haut, auch die Umwelt und die an der Produktion beteiligten Menschen schont der Verzicht auf chemische Behandlung der Stoffe. Seinen Höhepunkt hat diese Schonung bei den ungefärbten Stoffen. Der crème-farbige Ton der reinen Baumwolle verbindet Natürlichkeit mit zeitloser Schönheit. Dennoch finden sich aber auch farbige Lieblingsstücke in der 50-km-Kollektion die nach Oeko-Tex Standard zertifiziert sind.
Für ein besseres Morgen
Ein Haus aus rohem Holz, ursprünglich für eine Baumaschinen-Messe gezimmert, diente ursprünglich in Hayingen als Verkaufsraum. Nachhaltigkeit auch hier, denn üblicherweise werden solche Bauten nach den Messen massenweise entsorgt. Ganz aktuell eröffnet im Nachbarort Zwiefalten der neue Schwabenpower-Laden und bereichert das malerische Örtchen um eine weitere Attraktion. Die gesamte Kollektion findet sich hier, dazu ein kleines Sortiment weiterer regionaler Produkte, querbeet aus dem Biosphärengebiet.
Wem der Weg nach Zwiefalten zu weit ist, der stöbert im Online-Shop. Die Ware findet dann, wie sämtliche Transporte der Firma, in einem Elektroauto zur Post. Dieses wird sogar mit dem selbst hergestellten Strom betrieben, der von den MTS-Dächern in Hayingen kommt.
In allem spürt man hier die Haltung, aus der heraus die Marke Schwabenpower entstanden ist und geführt wird. „Für ein besseres Morgen“ nennen sie es, und meinen damit ein Morgen, in dem man miteinander und mit der Natur wertschätzend umgeht, in dem man Dinge macht, zu denen man sich nicht aus Gewohnheit, sondern aus Vernunft entscheidet, ein Morgen das geprägt ist von Engagement und Herzlichkeit.
Dafür setzen sie sich ein, gemeinschaftlich mit ihren Partnern im Produktionsprozess, zu denen ein oft freundschaftliches Verhältnis besteht, und mit viel Biss. „Wenn man so etwas anfängt“, sagt MTS-Gründer Rainer Schrode, „weiß man nicht, was auf einen zukommt. Und das ist gut so, denn sonst würde man es nicht machen.“ Schön, dass sie es machen, es bereichert unsere Region um eine individuelle, sehr authentische und tatsächlich im besten Sinne schwäbische Marke.



