Die neue Ausgabe Marktleben - Sammlerschätze
Weißt du noch …?
Das Museum für Autos, Zweiräder und Spielzeug, BOXENSTOP in Tübingen, fasziniert mit seiner Vielfalt, seinem Charme und seiner Schönheit. Zu Weihnachten eröffnet dort wieder die jährliche Modellbahn-Ausstellung.
„Das BOXENSTOP ist eher eine Erlebniswelt als ein Museum“, erklärt Rainer Klink. „Weißt du noch …?“, diese Frage hört der Museumsinhaber immer wieder, wenn Besucher durch die vier Stockwerke gehen, historische Autos, Motor- und Fahrräder und eine schier unendliche Fülle an außergewöhnlichen Spielsachen bewundern. „Weißt du noch …?“
Es begann damit, dass Rainer Klinks erstes Auto ein alter Volvo war. Gekauft, um damit zu fahren, aber alt genug, um die Faszination für Historisches zu wecken. Nach und nach folgten weitere Autos, dann Motorräder und Spielzeug, bis seine Sammlung so umfangreich war, dass er damit ein privates Museum eröffnete.
Die Ausstellungsstücke faszinieren nicht nur durch ihre Technik. Immense Fleißarbeit ist in viele von ihnen investiert worden, etwa in die Restauration des völlig zu Bruch gefahrenen Rennwagens Porsche Carrera 6, damals beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans 1966. Es sind vor allem die Geschichten, die den Wert der Ausstellungsstücke ausmachen. Der erste Weltmeistertitel von Toni Mang auf der Kawasaki KR 250, der 120-Stunden-Rekord der Weißen Maus, das Weihnachtsfest 1945, von dem der Original-Kaufladen der Böblinger Firma Kibri erzählt, oder auch die – letztlich allerdings unerfüllte – Berufung zum Priester, an die die Eltern des kleinen Jungen glaubten, der mit dem Puppenstuben-Altar spielte.
Ins Träumen kommen
Eisenbahnanlagen, Puppenstuben, Modellautos und Dampfmaschinen – das erinnert an verträumte Kinder- und Jugend- tage, an die Begeisterung, die wir damals in unseren Kinderseelen hatten. Und werden wir nicht wieder Kinder, wenn wir diese Schmuckstücke sehen, so schön, wie wir es uns damals vielleicht nur träumen konnten? Wie gerne hätten wir so eine Puppenstube mit fließendem Wasser im Bad gehabt? Oder ein Spielzeugauto mit Benzinmotor und Zweigangschaltung? Oder eine Miniaturwelt, in der das Kloster Bebenhausen so detailgetreu dargestellt ist, dass man kaum aufhören kann hinzusehen?
Im BOXENSTOP ist das alles sprichwörtlich zum Greifen nahe. Keine Absperrschranken, kein sorgenvoll-strenges Aufsichtspersonal, deren erhobene Zeigefinger die Eltern begeisterter Kinder in Stress versetzen. Hier darf man auch mal in einen Rennwagen hineinsitzen – wenn man schlank genug ist. Hier kann man sich die Details ganz aus der Nähe ansehen. Hier beginnt auf Knopfdruck eine Modelleisenbahn zu fahren, ein Holz-Riesenrad von 1935 oder ein Karussell sich zu drehen oder das Modell eines Holzsägewerks zu arbeiten.
Heimat für Werte
Viele Modellbauer aus der Region haben an den Ausstellungsstücken des BOXENSTOP ihre Handschrift hinterlassen. Rolf Burkhardt aus Wannweil und Wolfgang Beier aus Mittelstadt etwa, deren erstaunliche Dampfmaschinen hier stehen, die Modellbahn-Firmen Henning Meister und Ritter aus Pliezhausen und Nürtingen, oder auch der Haustechniker des Museums, Peter Bentjen, dessen Lebenswerk ein ganzer Raum gewidmet ist.
Sammler aus nah und fern sehen es gerne, wenn ihre guten Stücke im BOXENSTOP eine neue Heimat finden. Denn das Museum handelt nicht mit seinen Schätzen. Rainer und Ute Klink sind Sammler aus Leidenschaft, sie lieben ihre Kostbarkeiten und geben nicht gerne etwas wieder her. Wer Rainer Klink etwas Wertvolles verkauft, der kann, wann immer er will, wieder herkommen und sich nochmal daran erfreuen. So ist das Museum in Tübingen ein wohltuender Gegenpol zu der Schnelllebigkeit und Beliebigkeit, die in unserer Zeit so machtvoll um sich greifen. Jedes Ausstellungsstück ist mit großer Aufmerksamkeit ausgesucht und instandgesetzt, alle Autos sind fahrbereit. Und alles ist selbst bezahlt: Das BOXENSTOP arbeitet komplett ohne öffentliche Gelder, rein privat.
Das Besondere an dieser „Schatzkammer“ sind nicht nur die einzelnen Stücke. Es ist die Gesamtheit der Ausstellung, die saubere, sehr persönliche Art der Präsentation. Oft ergänzen sich Exponate, die beieinanderstehen, erzählen von einer gemeinsamen Geschichte oder Leidenschaft. So auch an der imposanten Steilwand, auf der Rainer Klink einst Motorrad fahren wollte – sehr mutig!
Kulinarik und Fahrspaß erleben
Rainer und Ute Klink bereichern ihr Museum darüber hinaus durch Reise- und Sport-Veranstaltungen und das einzigartige BOXENSTOP Bistro Büssinghalle. Auch wer nur für die echt italienische Pasta, das schwäbische Essen oder die Weihnachtsgans in das Restaurant von Ute Klink kommt, erlebt auch hier die Sammelleidenschaft die sie mit ihrem Mann teilt. Die merkt auch der Whisky-Liebhaber, der auf Empfehlung des Chefs aus etwa 50 Sorten feinster Whiskys wählen kann. Wer eher Weine liebt, dem hat Wein Bauer aus Tübingen eine feine Auswahl zusammengestellt. Die Weinhandlung ist über lange Jahre partnerschaftlich mit Rainer und Ute Klink verbunden. Ebenso wie der Käsereiladen und die schmidgärtnerei in Tübingen, die mit feinem Käse, Obst, Gemüse und Kräutern die Gastronomie bereichern. An Menü-Abenden, zu Silvester und zu anderen Gelegenheiten, oder auch als Gruppe lässt sich hier genussvoll feiern.
Die Leser des beliebten Oldtimer-Magazins Motor Klassik haben bereits zwölfmal in Folge das BOXENSTOP zum besten deutschen Veranstalter von Oldtimer-Reisen gekürt. Am Dampftag an Dreikönig zischen Dampfmaschinen um die Wette. Weitere Veranstaltungen und Erlebnistage oder auch eine Fahrt mit der Heidi – der Bus von 1962 steht für Gruppenausfahrten zur Verfügung – versetzen uns zurück in die Zeit von damals … „Ja damals, weißt du noch …?“
Vorsicht – einfahrender Zug!
Modelleisenbahnen sind unwahrscheinlich faszinierend. Tausende von Arbeitsstunden haben Landschaften geschaffen, so detailgetreu und schön. Die Bahnen bewegen sich darin und machen die Miniaturwelt lebendig.
Am dritten Advent beginnt die jährliche Modelleisenbahn-Sonderausstellung im BOXENSTOP. Die größte der Anlagen misst über 20 Quadratmeter und zeigt die landschaftliche Idylle des Donautals zwischen Beuron und Sigmaringen. Die Fahrten der Züge darin sind mit aufwändiger Computer-Programmierung gesteuert. Aber es geht auch ganz historisch: Die Anlage, die ein kleiner Junge aus Lustnau in den 50er-Jahren zu Weihnachten bekam, steht hier im Originalzustand, mit den gleichen Zügen von damals.
Getreu seinem Motto, nicht nur Museum zu sein, sondern eine Erlebniswelt zu bieten, hat das BOXENSTOP auch für den spielerischen Reiz gesorgt. Eine der Anlagen darf nach Herzenslust bespielt werden, da darf man selbst die Züge auf’s Gleis stellen, am Trafo drehen und Signale schalten. Ein Grund mehr also, dieses verspielte, freundliche und an Schätzen so reiche Museum einmal zu besuchen!



