Mythos Schwäbische Alb
07.04.2026

Die neue Ausgabe Marktleben: Traditionsort - Stadt mit Tiefgang

Foto: Lippert Photography
Titel Marktleben
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Titel Marktleben

Die ehemalige Weberstadt Laichingen verbindet beeindruckende touristische Attraktionen und Aktivitäten mit einer authentischen Geschichte des Lebens auf der Schwäbischen Alb in früheren Jahrhunderten.

Laichingen ist berühmt für seine 90 Meter hinabreichende Tiefenhöhle. Nirgendwo sonst in Deutschland kann man in einer Höhle bis 55 Meter unter die Erdoberfläche gehen. Aber Tiefgang hat die Stadt noch in einem ganz anderen Sinn. Als Leinenweberstadt birgtsie ein Stück Geschichte,das sonst kaum Gehör findet. Nicht von Eroberungen und Kriegen, nicht von Königen und Prunk, sondern von Menschen, die sich unter widrigsten Bedingungen ihren Lebensunterhalt erstritten.

Bis ins Jahr 1870, als in Schelklingen-Teuringshofen ein erstes Pumpwerk gebaut wurde, war Wasser ein knappes Gut auf der Schwäbischen Alb. Im karstigen Boden versickert der Regen schnell. Was sich in den drei wasserhaltenden Bodensenken, den Hülen, sammelte, war schnell abgestanden. „In Laichingen hieß es damals: Für uns geht’s noch, aber das Vieh trinkt’s nicht mehr.“ So erzählt es Antje Häberle, die im Weberei- und Heimatmuseum Führungen anbietet.

Verwobene Geschichte

Entsprechend karg war die Landwirtschaft – ganz abgesehen von Krankheiten wie Typhus und Cholera, mit denen die Einwohner zu kämpfen hatten. Aber es gab eine Pflanze, die auch unter den schweren Bedingungen der Alb gut wuchs: Der Lein. Seine blauen Blüten färbten damals die Flächen der Äcker rund um den Ort – Laichingen hatte sich schon früh auf die Produktion von Leinenstoffen spezialisiert, erste Urkunden darüber stammen bereits aus dem 14. Jahrhundert.

Die langen Fasern, die die Stängel der Leinpflanzen enthalten, herauszutrennen und zu Garn zu verarbeiten war eine mühselige Arbeit. Aber was bis heute beeindruckt, war die Arbeit des Webens. Denn die Leinfasern werden schnell zu trocken und können am Besten unter feuchtkalten Bedingungen verarbeitet werden. 

Daher stand ein Webstuhl üblicherweise in einer Dunk, einem Kellerraum unter der Wohnstube, kaum größer als der Webstuhl selbst und meist ohne Fenster. In der feuchten Kälte saßen die Weber bis zu zwölf Stunden am Tag und mehr. Im Weberei- und Heimatmuseum Laichingens wird diese Art des „Tiefgangs“ sehr eindrucksvoll spürbar.

Aber das Museum zeigt auch die Erfolge der Laichinger Weberei, die sich mit ihrer Leinenqualität Weltruhm eroberte, den Märchenkönig Ludwig II von Bayern belieferte und später die beste Adresse für Aussteuerwaren wurde. Es zeigt Sticktechnik wie auch die lochkartengesteuerte Jacquard-Weberei und ihre eindrucksvollen Erzeugnisse. Geöffnet ist das Museum zwar nur am ersten Sonntag im Monat, aber Antje Häberle bietet auch außerhalb dieser Zeit auf Anfrage Führungen für Gruppen an.

Reiche Lebensqualität

Nach einem Besuch dieses Museums verlässt man es mit einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit für das Leben, wie wir es heute führen. Und Laichingen bietet viel, um es zu genießen. Die Stadt mit der rauen Geschichte, von der auch heute noch der Leinenweberbrunnen erzählt, ist ein Paradebeispiel für naturnahe Lebensqualität. Dafür sorgt nicht nur die bereits erwähnte, sehr beeindruckende unterirdische Höhlenlandschaft. Am Eingang der Tiefenhöhle befindet sich im Rasthaus das Höhlenkundliche Museum. Dort hat man von einem Bärenskelett bis hin zu einem riesigen Touchscreen zahlreiche Möglichkeiten, sich über Höhlen zu informieren.

Gleich gegenüber des Höhlenzugangs lockt einer der größten deutschen Kletterparks, all dem beschriebenen Tiefgang auch ordentliche Höhenerlebnisse entgegenzusetzen. Die Mutigen können hier bis zu 16 Meter in die Höhe steigen und sich in Outdoor-Exitgames erproben. Aber auch bereits für Zweijährige und für Menschen mit Einschränkungen gibt es was zu klettern. Die im Anschluss fällige Stärkung gönnt man sich im Rasthaus Tiefenhöhle oder an den Grillstellen neben dem dortigen Spielplatz.

Lebensqualität pur bietet Laichingen nicht nur seinen Einwohnern, sondern auch allen Gästen mit seinem Stadtwald Westerlau. Nur wenige Schritte vom Parkplatz am Waldstadion entfernt, stehen hier etwa ein Dutzend Outdoor-Fitnessgeräte, an denen alle Muskeln wie im Fitnessstudio trainiert werden können – ohne Monatsbeitrag und bei bester Sauerstoffversorgung.

Cross-Biker finden gleich daneben den Zugang zu einer über fünf Kilometer langen Mountainbike-strecke, auf der erlaubt ist, was sonst verboten ist: mitten durch die Unebenheiten des Waldes zu fahren. Und wieder wenige Schritte weiter erstrecken sich zwei Wildgehege, in denen Wildschweine und Rotwild bestaunt werden können. Die Ruhe der Wildschweine und die Anmut der Hirsche kann nicht nur Kinder begeistern – wie schön, Tiere in dieser artgerechten, natürlichen Umgebung zu erleben. Ein umfunktionierter Zigarettenautomat spendet Futterportionen, die das Wild gerne aus der Hand futtert.

Heimat im vollsten Sinne

„Laichingen ist also ein idealer Ausflugsort, der viele Erlebnismöglichkeiten miteinander verbindet“, stellt Niclas Märker fest. Er ist in der Stadt zuständig für Tourismus und Marketing und empfiehlt die Broschüre Stadt Laichingen – Ein Stadtrundgang durch die Leinenweberstadt Laichingen als kundige Orientierung für alle, die von Altstadt und Sehenswürdigkeiten nichts verpassen wollen, zu haben ist sie im Rathaus und der Stadtbücherei. Als besondere Attraktionen nennt er  die legendären Laichinger Oster- und Pfingstmärkte, an denen buchstäblich Zigtausende das Städtchen fluten, aber auch die schlichte Schönheit der Albhochfläche, die auf vielen gut ausgeschilderten Wegen zum Wandern einlädt.

Mit dem Fahrrad oder E-Bike fährt man etwa auf der Leinenweber-Tour hierher, auf der Liebhaber regionaler Kulinarik auch die H_Albzeit in Merklingen erreichen. Oder man startet von dort aus, wenn man aus Richtung Ulm oder Stuttgart mit dem Zug ankommt. Wer mag, bleibt auch länger: Übernachten kann man in den ansässigen Hotels, wie etwa beim Biosphärengastgeber Hotel Post oder auch auf dem Campingplatz in Machtolsheim.

Wie auch immer Sie Ihr Weg hierher führt: Laichingen bietet mehr als Lebensqualität, es bietet Heimat. Denn Heimat, das hat etwas zu tun mit Geschichte, mit dem Auf und Ab der Zeiten und Lebensumstände, mit dem Geist, in dem Menschen früherer Tage unterwegs waren. Die Begegnung damit hat große Auswirkung auf unsere Resilienz, unsere Fähigkeit, mit den Ereignissen und Veränderungen umzugehen, die wir in unseren Tagen erleben. Laichingen ist so ein Alb-Ort, von dem man tatsächlich etwas stärker zurückkommt, als man hingefahren ist.

www.marktleben.de | www.laichingen.de

Datum

07.04.2026