Mythos Schwäbische Alb
31.07.2025

Die neue Ausgabe Marktleben: Wiesenaromen - Die Farben des Obstes

Foto: Lippert Photography
Titel Marktleben
Foto: Lippert Photography
Titel Marktleben

Der D’Gin aus Mössingen ist ein Gin, der Leidenschaft und Heimatverbundenheit widerspiegelt.

Sie gehen durch die hohen Wiesen, lassen die langen Halme über die Handflächen streichen. Da: Eine Stelle, an der das Gras niedergedrückt ist. „Man spürt förmlich die Lebendigkeit der Wiesen: Rehe huschen zwischen den Halmen umher, Wildschweine durchwühlen die Erde und die Obstbäume tragen reiche Früchte“, sagt Doro Seif.

„Diese einzigartige Kombination aus unberührter Natur, freier Tierwelt und saftigen Früchten schenkt mir tiefe Ruhe, Geborgenheit und ein starkes Gefühl von Verbundenheit – hier fühle ich mich wahrhaft zu Hause.“  Die Streuobstwiesen rund um Mössingen, sie sind ein Paradies. Für Doro Seif und Andreas Schurr sind sie Heimat, Identität, Herzenssache.

Die Streuobstwiesen sind bedroht, sie kosten viel Arbeit. Die Bäume müssen geschnitten und irgendwann erneuert werden, das Obst ist viel aufwendiger zu ernten als Spalier-Obst auf Plantagen. Der beste Weg, diesen Schatz zu erhalten ist, eine besondere Verwendung für die Früchte zu finden. „Warum nicht unsere Liebe zu den Obstwiesen mit der Herstellung eines Gins verbinden?“, dachten sich die beiden Mössinger.

Der reine Alkohol, der für die Gin-Herstellung benötigt wird, kann jedoch nur mit extremem Aufwand aus der Obstmaische hergestellt werden. Aber sie fan- den einen kreativen Weg: In einem zweiten Arbeitsgang veredeln sie den Gin, indem sie das Obst darin einlegen. Das Ergebnis ist faszinierend: Der Gin nimmt nicht nur den Geschmack, sondern auch die Farbe des Obstes an.

Ein Mössinger Original

Gin herzustellen ist eine Kunst, und Andreas Schurr und Doro Seif investieren viel Zeit und Liebe in die Herstellung ihrer vier Sorten. In der genossenschaftlichen Brennerei mit dem alten 148-Liter Kupferkessel profitieren sie vom Wissen des alten Brennmeisters. Aber neben den Details beim Brennen kommt es auch besonders auf die Qualität der Botanicals an, der in den reinen Alkohol eingelegten – „mazerierten“ – sorgsam ausgewählten Gewürze und Pflanzenteile, darunter Wacholder, Koriander und feinster Lavendel. Damit sie dem Gin seinen unverwechselbaren Geschmack verleihen, braucht es Gespür und Erfahrung im Umgang mit den unterschiedlichen Naturprodukten.

Wie viel Sonne hatten die Wacholderbeeren, wie gut wurden sie getrocknet, wie fein zerkleinert? Das alles schmeckt der Kenner, und zwar bei jedem der zwölf Botanicals, die in der ersten Mazeration des D’Gins verwendet werden. Und so müssen es dann auch bei der zweiten Mazeration eben genau die Früchte aus den Mössinger Wiesen sein, denn schon von Baum zu Baum zeigt das Aroma Unter-schiede. Das ist es, was den D’Gin einzigartig macht und zu einem Mössinger Original.

So steht jetzt schon fest: Von der Sorte Old Lady wird es den Jahrgang 2025 nicht geben, denn die Zwetschgen, die dafür verwendet werden, kommen von einem einzigen Baum, der in diesem Jahr nicht trägt. Es wäre ja ein Leichtes, Kompromisse zu machen und die Zwetschgen anderswo zu beziehen, aber das wäre eben nicht mehr der Original D’Gin. Man sieht auf jeder Flasche den Jahrgang, er ist auf jedem Etikett von Hand eingetragen, dazu auch die wievielte Flasche welchen Brandes man in Händen hält.

Mondfänger und Rechenmacher

Aber nicht nur damit zeigt das Etikett die Originalität und tiefe Heimat-Verwurzelung der D’Gin-Produzenten. Wer genau hinschaut, entdeckt neben Wacholderbeeren und Kirschblüten auch den Steinlachbrunnen des alten Mössinger Wappens sowie Symbole für die umliegenden Orte, deren Bewohner Spitznamen wie Mondfänger oder Rechenmacher tragen. Jede Flasche wird von Hand etikettiert, beschriftet und ist damit ein echtes Unikat.

Für Doro Seif und Andreas Schurr ist es der Spaß an der Sache, der sie beflügelt. Nach einem Zeitungsartikel im August 2022 bekamen sie unzählige Anrufe und im November des gleichen Jahres eröffneten sie ihren Online-Shop.

Weitere Sorten wurden entwickelt. Zu White Lemmon und Red Cherry traten Old Lady und Black and Berry. Im letzteren finden die auf den Streuobstwiesen wild wuchernden Brombeeren Verwendung. Immer weiter geht die Entwicklung, inzwischen gibt es sogar einen sehr guten alkoholfreien Gin!

D‘Gin wird immer beliebter

Was klein anfing und nur als regionale Spezialität für das Steinlachtal gedacht war, gibt es heute nicht nur auf dem Cannstatter Wasen, sondern an vielen Orten in der Region und wird auf Bestellung überallhin geliefert – für Firmen auch mit deren Logo auf der Umverpackung.

Weil es einen Raum brauchte um Material zu lagern, Flaschen zu etikettieren und als Firmensitz, kam ihnen die Idee, diesen als kleine Gin Stube zu nutzen und, während man die Lederbänder an Flaschenhälsen befestigt oder Korken versiegelt, ein paar Gins auszuschenken, nur an einem Abend pro Woche, verbunden mit kleinen schwäbischen Gerichten aus der eigenen Küche und Spezialitäten aus Südtirol, sowie einigen regionalen Produkten, die man hier kaufen kann.

Aber kaum eröffnet, wurden sie völlig überrannt, alle drängten sich in die kleine urige Gin Stube, die jetzt im Sommer den breiten Gehsteig mit Tischen und gutgelaunten Gästen füllt. Dennoch öffnet die Gin Stube nur donnerstags, denn an Freitagen und Samstagen sind die beiden Gin-Produzenten oft für Gin-Tastings unterwegs.

Bei einer Wanderung durch die verträumten Obstwiesen kann man Geschichten und Wissenswertes über die Region und den Gin erfahren, und auch, wie das Tonic zum Gin fand und welches am besten mit den verschiedenen D’Gin-Sorten harmoniert, dazu viele spannende Details aus der Geschichte des Gins und welche Rolle medizinische Aspekte dabei spielten und spielen. Da wird der Geschmack des Getränks nochmal viel intensiver erlebt.

Aber es geht auch Zuhause oder wo immer man will. Andi Schurr und Doro Seif bringen ihre gute Laune samt Gin und Wissen zu Tastings an Geburtstagen, Firmenfesten oder auch in die Gin Stube. Da wird deutlich: Gin ist mehr als nur ein Getränk und D’Gin ist mehr als nur ein Gin. In ihm steckt die Leidenschaft zweier Menschen, die für ihre Region brennen – und deren Begeisterung sehr ansteckend ist.

www.marktleben.de | www.d-gin.de

Datum

31.07.2025