Mythos Schwäbische Alb
16.03.2026

Digitale Archivsprechstunde: Zufallsfunde in württembergischen Kriegsstammrollen des Ersten Weltkriegs

Foto: Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs in Lichtenstein-Unterhausen. (Fotoquelle: © Kreisarchiv Reutlingen; Horst Guth)

Bei der kostenlosen Online-Archivsprechstunde am Dienstag, 24. März, von 19:30 bis 20:30 Uhr, informieren Kreisarchivar Dr. Marco Birn und Gastexperte Andreas Strauß über Kriegsstammrollen des 1. Weltkriegs.

Im Mittelpunkt der nächsten digitalen Archivsprechstunde steht ein spannendes Thema zur Archivarbeit und Militärgeschichte: die Kriegsstammrollen des Ersten Weltkriegs. Mit Hilfe von Kriegsstammrollen, bei denen es sich um Personalakten von Militärangehörigen handelt, lassen sich oftmals wertvolle Hinweise und Erkenntnisse über die eigenen Groß- und Urgroßväter in den militärischen Einheiten Württembergs gewinnen. Etwa in welchen Schlachten sie kämpften, ob sie Verwundungen erlitten oder gefallen sind. Schon mit Namen und Geburtsdatum der gesuchten Person sind erste Online-Recherchen möglich. Ideal ist es, wenn darüber hinaus Angaben zur militärischen Einheit vorliegen.

Gastexperte Andreas Strauß erläutert zunächst die Bedeutung von Kriegsstammrollen und geht dann auf besonders spannende Zufallsfunde darin ein. Es handelt sich dabei um Stammrollen von unterschiedlichen Soldaten, bei denen nach dem Ersten Weltkrieg zu den eigentlichen Kriegsstammrollen ergänzende Dokumente hinzugefügt wurden.

Zu den Highlights seiner Präsentation zählen: Ein Schreiben der französischen Behörden aus dem Jahr 1920, das den Tod eines vermissten deutschen Soldaten offiziell bestätigt.
Außerdem ein bedrückender Augenzeugenbericht eines ehemaligen deutschen Soldaten, der als Kriegsgefangener in Frankreich die Überreste zweier gefallener Kameraden fand und identifizierte, was in einer eidesstattlichen Erklärung von 1920 dokumentiert wurde.
Des Weiteren ein Urteil aus den Jahren 1942/1944, das die Verhängung von Zuchthaus sowie den Verlust von Orden und Ehrenzeichen wegen der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte dokumentiert. Grund war die verbotene Schwarzschlachtung von Schweinen während des Nationalsozialismus.
Schließlich ein umfangreicher Briefwechsel aus dem Jahr 1929 zwischen einem Archivrat und mehreren ehemaligen Offizieren einer Einheit, der verschiedene Schwierigkeiten bei der Archivierung zeigt, da Teile der Stammrollen fehlen. Der Archivrat wird von einem Ansprechpartner zum nächsten verwiesen. Die Offiziere waren zu diesem Zeitpunkt bereits wieder im Zivilberuf tätig.

Fragerunde im Anschluss
Eine offene Fragerunde soll den Teilnehmenden bei Fragen zu Kriegsstammrollen oder auch allen anderen Themen der Familienforschung Unterstützung bieten. Generell gibt es bei den Archiven neben Fotos auch immer mehr Karten, Pläne, Dokumente und Archivgut online. In der Archivsprechstunde wird gezielt darauf eingegangen wie diese Datenbanken für die Familienforschung genutzt werden können.

Weitere Informationen
Eine vorherige Anmeldung zu der Online-Archivsprechstunde ist nicht erforderlich. Der Link zum Webex-Meeting ist auf der Internetseite www.kultur-machen.de/archivsprechstunde hinterlegt und lautet: https://kreis-reutlingen.webex.com/kreis-reutlingen/j.php?MTID=m0f537fcb51ed8da448764ac56307bfcb

Datum

16.03.2026