Mythos Schwäbische Alb
04.04.2023

Im Garten beginnt das Menschsein

Foto: Marktleben
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Zum 20sten Mal öffnet vom 18. bis 21. Mai die Gartenmesse GardenLife in der Reutlinger Pomologie ihre Tore. Die gelungene Mischung aus Angebot, Information und Atmosphäre präsentiert alles Schöne rund um ein Leben mit dem Garten.

Im Garten beginnt das Menschsein – wenigstens wenn man der Bibel glaubt. Dort legt Gott, nachdem er den Menschen gemacht hat, als erstes einen Garten für ihn an. Der Boden, aus dem die Pflanzen für den Menschen wachsen, heißt auf hebräisch Adamah, der Mensch selbst heißt Adam. Darin zeigt sich unsere tiefe Verbindung: Wir sind aus dem gleichen Stoff gemacht.
Der Mensch hat sich inzwischen seinerseits mit sehr viel Technik umgeben – aber der Duft der Blumen, selbst angebaute Nahrung, körperliche Bewegung und Erde an den Händen – das erfüllt uns mit Vitalität, da sind wir viel mehr bei uns selbst, da erleben wir eine ganzheitliche Schönheit und Ästhetik, die kein  digitales Gerät wiederzugeben vermag. Der Garten ist für viele sprichwörtlich ihr Paradies.

Plauderei aus dem Nähkästchen
Kein Wunder also, dass die GardenLife nicht nur mit ihrem umfangreichen Angebot Menschen von weit her anlockt, sondern auch mit ihrer Stimmung. Das liegt ohne Zweifel daran, dass ihre Gründer, Andrea Burk und Stephan Allgöwer, selbst große Gartenfreunde sind.
Es war nach einem Besuch der Herrenhäuser Gärten in Hannover, kurz nach der Gründung ihrer Agentur solutioncube, als sie gemeinsam beschlossen, in Reutlingen eine Gartenmesse nach dem Vorbild der größten aller Gartenmessen, der Londoner Chelsea Flower Show, zu veranstalten.
„Wir meinten, mit so einer Messe finden wir viele Kunden für unsere Agentur. Und ich dachte auch, wenn da 30.000 Menschen kommen und jeder ein paar Euro Eintritt zahlt, da werde ich ganz schnell reich“, witzelt Stephan Allgöwer. „Beides hat dann nicht so geklappt, aber ein riesen Erfolg war es trotzdem – und ist es bis heute.“
Stephan Allgöwer schaut zurück: Kinder sind groß geworden, viele Freundschaften sind gewachsen, manche Aussteller haben aufgehört, viele sind dazu gekommen. Der große Gartengestalter Prof. Dr. Roland Doschka zeigte sich von der Messe so begeistert, dass er sich als Schirmherr auf Lebenszeit gewinnen  ließ.
„Wie heute sehe ich noch den Ofenbauer Manfred Bauer am Ende einer GardenLife mit seinem eindrucksvollen Bart vor mir stehen, der wie Gottvater selbst verkündete: ‚So schee wie des war wird’s nie meh!’“ Aber es wurde immer wieder so schön. Selbst das katastrophal verregnete Jahr 2010 hat viele schöne Erinnerungen hinterlassen, man hat sich gemeinsam durchgekämpft, ist zusammengewachsen und die Besucherzahlen waren nicht einmal viel niedriger als sonst.

Besinnung auf das Wesentliche
Corona hat dazu geführt, dass die Messe zweimal ausfallen musste. Aber auch das hatte seine gute Seite. Davor war alles immer mehr und größer, dabei im Hintergrund aber auch aufwendiger und hektischer geworden. Der Neustart nach der Pandemie brachte eine Rückbesinnung auf das Wesentliche, mehr Ruhe und Gelassenheit, Raum für Gemeinsamkeit und Austausch.
Auf der 20sten GardenLife soll wieder viel Platz für Erlebnis und Begegnung sein. Die Grauer-Gastronomie beim Glashaus und ein Food-Court mit vielen Essensständen auf dem Bouleplatz sorgen dafür, dass man den ästhetischen Anregungen der Messe den angemessen stimmungsvollen Raum geben kann, so auch die Picknick-Wiese mit ihren Kleinkunstvorführungen.
Der QuadreX-Tower wird mit seinen 15 Metern Höhe die Begeisterung für Pflanzen deutlich zum Ausdruck bringen. Der aus Gerüstteilen errichtete Turm ermöglicht einen einzigartigen Blick auf die Umgebung und seine seitliche Bepflanzung thematisiert die senkrechten Pflanzungen, die in unseren Städten mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werden. Auch das Eduard-Lucas-Haus öffnet mit einer Ausstellung zum Thema Gartenwerkzeuge.

Alles, was man wissen will und muss
Aber auch für Information ist reichlich gesorgt. Der Freitag ist traditionell der Pflanzentag auf der GardenLife: In Vorträgen unterm Zeltdach und bei vielen der 30 Gärtner rund auf dem Gelände erfährt man alles, was man für die Gestaltung und Pflege des eignen Gartens wissen will und muss.
Sie wollen gerne von Ihren Blühflächen selbst überrascht werden? Dann weiß Andreas Fetzer aus dem berühmten Samenhändlerort Gönningen, mit welchen Blühmischungen das am besten glückt. Wenn Sie es gerne naturalistisch haben, oder mit Stauden oder Gemüse – zu allen diesen Themen gibt es Vorträge. Und falls Sie lieber fotografieren als gärtnern, kommen Sie zum Workshop Pflanzenfotografie.
In der AZUBI-Arena des Garten- und Landschaftsbau-Verbands kann man über drei Tage Azubis aus verschiedenen Firmen bei der Erstellung einer Gartenanlage, der AZUBI-Arena zusehen, immer begleitet von jemand, der dabei über alle Details Auskunft geben und informieren kann.
Markus Holder, Geschäftsführer der KSV Natursteinwelt, war bereits als Azubi auf der GardenLife, heute ist sein Unternehmen einer der Messe-Unterstützer. Auch die Reutlinger Volksbank und Porsche zeigen ihre Begeisterung für den Garten. Die Baumschule Rall beteiligt sich nicht nur materiell mit Pflanzen für den QuadreX-Tower und die AZUBI-Arena, sie ist selbst bereits zum 18. Mal auf der GardenLife als Aussteller.
Es ist kein Wunder, dass der Garten nicht an Attraktivität verliert. Wenn überall daran gearbeitet wird, möglichst viele Bereiche des Lebens immer digitaler zu gestalten, dann spüren wir hier immer noch unseren direkten Bezug zur Natur und erleben, wie wir quasi unserem Menschsein einen Neustart geben können – mit jedem Gang in den Garten.
www.marktleben.de | www.gardenlife.de

Datum

04.04.2023