Mythos Schwäbische Alb
22.01.2026

Licht ins Dunkel bringen: Verleihung des ersten Kreisgeschichtspreises

Foto: Der Kreisgeschichtspreisträger Dr. Michael Kienzle (m.) mit Amtsleiter Daniel Stückle (l.) und Kreisarchivleiter Dr. Marco Birn (r.). (Fotoquelle: © Kreisarchiv Reutlingen, Jacqueline Laci)

Licht ins Dunkel der Regionalgeschichte bringen und Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler fördern - das ist das Ziel des Kreisgeschichtspreises. Am letzten Montagabend wurde die Auszeichnung erstmals vom Landkreis Reutlingen verliehen. Rund 65 Bürgerinnen und Bürger waren im Großen Sitzungssaal des Landratsamts dabei, als Kreisschul- und Kulturamtsleiter Daniel Stückle Dr. Michael Kienzle den Preis übergab.

Der Mittelalterarchäologe und Leiter des Burgenzentrums an der Universität Tübingen ist der erste Preisträger des neu ausgelobten Preises: Eine Urkunde, ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro als Druckkostenzuschuss für seine Dissertation sowie, hier der Clou, eine gravierte Tischleuchte aus dem Kreisarchiv Reutlingen. Darauf der Satz: „Das Kreisarchiv Reutlingen…bringt Licht ins Dunkel“.

Genau das sei das Ziel des Kreisgeschichtspreises bekräftigt Kreisarchivleiter Dr. Marco Birn: „Der Landkreis Reutlingen versteht Geschichte nicht als etwas Abgeschlossenes oder Vergangenes – sondern als etwas, das uns heute betrifft, das uns prägt und das wir aktiv erforschen und erzählen können.“

Über den Kreisgeschichtspreis
Die Idee zu diesem Preis ist aus einer einfachen Beobachtung entstanden: Im Landkreis Reutlingen gibt es eine außergewöhnlich reiche Geschichte – von der Siedlungsentwicklung über Herrschaftsstrukturen, Wirtschaft und Religion bis hin zu Alltagsleben, Migration, Konflikten und Umbrüchen im 19. und 20. Jahrhundert.

Gleichzeitig entstehen an Universitäten und Hochschulen hervorragende Abschlussarbeiten – Masterarbeiten und Dissertationen –, die genau solche Themen aufgreifen. Oft mit großer Akribie, methodisch auf der Höhe der Zeit, quellennah und zugleich mit einem Blick für größere Zusammenhänge.

Und genau hier setzt der Kreisgeschichtspreis an. Er soll herausragende wissenschaftliche Arbeiten sichtbar machen, sie würdigen – und ganz konkret dazu beitragen, dass Forschung nicht in der Schublade verschwindet, sondern ihren Weg in die Öffentlichkeit findet. Der Preis wird durch den Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke, kurz OEW, gefördert. 

Die Bedeutung der Regionalgeschichte
Regionalgeschichte ist nicht „klein“ oder „nur lokal“. Im Gegenteil: Gerade in der Region lassen sich viele Fragen oft besonders präzise untersuchen, weil Quellen, Orte, Strukturen und Erinnerungen greifbar sind. Und Nachwuchsforschung bringt oft genau das mit, was historische Arbeit lebendig hält: neue Fragestellungen, neue Methoden, neue Perspektiven.

Im Anschluss an die Preisverleihung gab Dr. Kienzle in seinem Vortrag Einblick in seine interdisziplinäre Dissertation „Burg und Kulturlandschaft“.

Über den Preisträger
Dr. Michael Kienzle wurde 2022 an der Eberhard Karls Universität Tübingen promoviert. Er ist freiberuflich in der Burgen- und Kulturlandschaftsforschung tätig und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Vermittlung historisch-kultureller Inhalte für ein breites Publikum.

Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit ist Kienzle seit 2025 Leiter des Burgenzentrums an der Universität Tübingen und engagiert sich im Rahmen des Greifensteinprojekts intensiv für die Erforschung, Dokumentation und Vermittlung mittelalterlicher Burgen in der Region.

In diesem Zusammenhang war er 2024 maßgeblich an der Planung und Umsetzung des Mittelalter-Events „Lebendiges Mittelalter! Ritter und Burgen im Echaztal“ in Pfullingen beteiligt.

Datum

22.01.2026