Mythos Schwäbische Alb
10.09.2026

Obstsortenbestimmungen im Landkreis Reutlingen

Bei der Sortenausstellung wird eine große Vielfalt gezeigt. (Fotoquelle: Landratsamt Reutlingen)

Über 400 verschiedene Apfelsorten stehen auf den Streuobstwiesen im Landkreis, bundesweit sind es über 1000. Doch bei vielen Bäumen ist im Laufe der Zeit der Sortenname in Vergessenheit geraten. Die Fachberatung für Obst- und Gartenbau im Landkreis Reutlingen richtet deshalb gemeinsam mit der Fachvereinigung Obstbau Mitte September und Ende Oktober zwei Veranstaltungen zur Obstsortenbestimmung aus.

Am Sonntag, den 20.09.2026, steht auf dem Eduard-Lucas-Fest in der Pomologie in Reutlingen von 13:00 bis 17:00 Uhr eine Gruppe von Pomologen, also professionellen Sortenkundlern bereit. Privatpersonen sind eingeladen, eigene Früchte von Äpfeln und Birnen mitzubringen und dem Team rund um Hans-Thomas Bosch vom Pomologen-Verein und Thilo Tschersich von der Fachberatung für Obst- und Gartenbau vorzulegen.

Dasselbe Team ist auch nochmal am Wochenende vom 24. bis zum 25.10.2026 bei der Sortenbestimmung im Obstbaumuseum in Glems im Einsatz. Am Samstag von 14:00 bis 17:00 Uhr und am Sonntag von 13:00 bis 17:00 Uhr können Privatpersonen ihre Früchte bestimmen lassen. Begleitend wird es wieder eine umfangreiche Sortenausstellung sowie eine Verkostung von Tafelobst geben. Bei dieser können Besuchende verschiedene empfohlene Sorten für den extensiven Anbau und den Hausgarten probieren.

Die Bestimmung erfolgt gegen eine Spende, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Zur sicheren Bestimmung benötigen die Pomologen fünf bis sieben reife, gesunde Früchte je Sorte. Sie empfehlen, die reifen Früchte bis zur Bestimmung im Kühlschrank in einem Plastikbeutel mit Löchern aufzubewahren.

Die Vielfalt an Äpfeln ist groß

Sortennamen sind nicht nur Spielerei - sie ermöglichen einen tiefen Einblick in die Geschichte: Äpfel sind wie die meisten Obstarten fremdbestäubend, d.h. aus jedem ausgesäten Kern entsteht eine neue Sorte. Wenn eine Sorte mit guten Eigenschaften erhalten und vermehrt werden soll, geht das nur über das Veredeln: Ein Triebstück oder eine Knospe des Ausgangsbaums wird auf einen weiteren Apfelbaum „aufgepfropft“, wächst dort an und trägt dann die gleichen Früchte wie der Ursprungsbaum. Umso erstaunlicher ist es, dass es Sorten gibt, die seit hunderten von Jahren auf diese Weise vermehrt, verbreitet und erhalten werden. Das belegt, wie wichtig bestimmte Sorten für die Menschen waren.

Ein Beispiel ist die Sorte „Roter Eiserapfel“, die eine der ältesten im deutschsprachigen Raum ist. Verglichen mit modernen Supermarktsorten ist sie geschmacklich eher unauffällig, zeichnet sich aber durch eine andere Eigenschaft aus: Ihre enorme Lagerfähigkeit. Berichten zufolge wurden die Äpfel in große Erdmieten aufbewahrt und waren dort über ein Jahr lang lagerfähig. Sie sicherten den Menschen die Versorgung mit Obst, wenn im Folgejahr wegen Frost oder anderer Unwetterereignisse die Obsternte sehr schlecht ausfiel. Die enorme Lagerfähigkeit des Apfels zeigt sich auch daran, dass die Sorte in Österreich unter dem Synonym „Roter drei Jahre dauernder Streifling“ bekannt ist. 

Bitter im Geschmack - dennoch begehrt

Die Sortenbestimmung eröffnet auch den Zugang zu den vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Obst: Gerade bei den älteren Obstsorten sind viele dabei, die nie für den Direktverzehr gedacht waren. Die Äpfel des einen Baums schmecken furchtbar bitter und sind ungenießbar? So manche haben dann sicher schon überlegt, den Baum zu fällen und durch einen leckeren Apfel zu ersetzen. Vielleicht handelt es sich dabei um den Pomme d’Or, einen französischen Cidre-Apfel, der auch heute noch bei Most- und Ciderherstellern begehrt ist. Oder die Sorte „Palmischbirne“: Frisch gegessen schmeckt sie unangenehm bitter und bei der Lagerung entwickelt sie ein gäriges Aroma. Gleichzeitig sind Mosterzeuger bereit, für Palmischbirnen deutlich höhere Preise zu zahlen, weil sie im Most oder Cider hocharomatisch ist. Auch als Dörrbirne entfaltet sie einen einzigartigen Geschmack.

Wer also den Namen der eigenen Obstsorten kennt, erschließt sich damit neue Verwendungsmöglichkeiten und kann das Obst auch gezielter vermarkten.

Datum

10.09.2026