Mythos Schwäbische Alb
04.12.2017

Qualitätsmühle - Alltägliches mit Wertgehalt

Die Lichtensteinmühle in Honau zeigt mit hoch qualitativen Mehlen, welches Potential in unserer alltäglichen Ernährung liegt.

Je alltäglicher etwas ist, desto leichter gerät uns aus dem Blick, worauf es dabei ankommt. Das Alltägliche hin und wieder mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten hat etwas Meditatives, etwas Beruhigendes und Erdendes, gerade in unserer auf Schnelligkeit und Effektivität ausgerichteten Zeit. Die Luft, die wir atmen, die Natur, der Abendhimmel – das alles ist umsonst und stillt doch unsere wichtigsten Bedürfnisse.

Was wir zum Leben brauchen
„Unser täglich Brot gib uns heute“ – so beten Menschen seit undenkbaren Zeiten. Allein, dass Brot dabei als Symbol für alles steht, was wir im Leben brauchen, zeigt, wie wichtig es immer war.

Das ist es auch heute noch. Nicht nur im Brot, auch in Nudeln, Pizzen, Kuchen essen wir Getreide, ein Gutteil unserer Kalorien-aufnahme stammt da her. Die Kalorien machen satt, aber das täuscht leicht darüber hinweg, dass man längst noch nicht unbedingt auch gut ernährt ist.

Im Getreidekorn sind Mineralstoffe wie Magnesium und Selen, bedeutsam für unser Immunsystem, die Schilddrüsenfunktion und die psychische Gesundheit. Seine Vitamine, vor allem die B-Vitamine, sind wichtig für Stoffwechsel und Nervensystem. Seine Ballaststoffe verringern das Risiko von Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Herzinfarkt.

Was Brot sein könnte
Das Grundnahrungsmittel der Deutschen ist also im Prinzip etwas sehr Gesundes. Aber das Brot, das wir essen, ist nicht, was es sein könnte.

Der wesentliche Grund dafür ist, dass dem Weißmehl die Mineralien des vollen Korns fehlen. Außerdem werden dem Mehl bei der industriellen Produktion von Backwaren bis zu  50 verschiedene chemische Zusatzstoffe, sogenannte Mehlbehandlungsmittel zugesetzt. Durch Zugabe von Enzymen, Vitaminen, Emulgatoren und anderen chemischen Mitteln wird der Teig weicher, stabiler, plastischer, voluminöser, schmackhafter, je nach Bedarf.

So können Getreidesorten verbacken werden, die schnell und ergiebig wachsen, aber weniger Qualität haben, zu viel gedüngt oder zu feucht gelagert wurden. Das billige Brot ist ein unter Kostendruck hergestelltes Brot, dessen Nahrhaftigkeit meist stärker reduziert ist als der Preis.

Doch es geht auch anders, es gibt auch noch Brot, das im vollen Sinne hält, was sein Name verspricht.

Seit über 500 Jahren aus der Region für die Region

Dass es die Lichtensteinmühle in Honau noch immer gibt, hat sicher mit der großen Achtsamkeit zu tun, die man dem Lebensmittel, das man hier produziert, widmet. Nicht mehr viele kleine Mühlen gibt es heute, ganz wenige, die, wie die in Honau, über 500 Jahre alt sind. Die Industrialisierung hat die meisten dahingerafft. Nur diejenigen, die Außergewöhnliches zu bieten hatten, haben überlebt.

Schon ganz am Anfang der Bio-Bewegung begann Wolfgang Frech in seiner Mühle nach den strengen Bioland- Richtlinien Mehl herzustellen, aber auch sein konventionell gemahlenes ist nicht gewöhnlich. Nur die besten Getreide, die die Bauern aus der an Lichtenstein angrenzenden Alb ihm bringen, vermahlt er selbst.

Dinkel, das besonders nährstoffreiche „Schwabenkorn“ mit dem nussigen Geschmack, ist seine Spezialität. „Dinkel ist das beste Korn. Er macht seinem Esser gutes Fleisch, gutes Blut und einen frohen Sinn“, lobte bereits vor 900 Jahren Hildegard von Bingen das Getreide.

Die Lichtensteinmühle leistete speziell beim Dinkel Pionierarbeit. Sie unterstützte die Bauern beim Dinkelanbau mit Saatgut und Abnahmegarantien und half somit den Dinkelanbau wirksam auszudehnen. Nur wenige Mühlen verfügen, wie die Lichtensteiner,  über eine Dinkel-Schälmaschine, mit der die Dinkelkerne sorgfältig von der Schale entfernt werden. Durch die schonende Bearbeitung können dann die Dinkelschalen ohne Bruch zum Beispiel für eine Kissenfüllung oder als Einstreu verwendet werden.

Familienunternehmen mit Charme

Nun sind Wolfgang Frechs Töchter in das Familienunternehmen eingestiegen und zeigen mit schickem Design und viel Fachwissen, dass ihnen der traditionell von Männern ausgeübte Beruf hervorragend liegt. Ann-Catrin war nach ihrem Studium der Agrarwissenschaft die einzige Frau in der Meisterschule. Aber da das Tragen schwerer Säcke heute kein wesentliches Merkmal des Müllerberufes mehr ist, wird sie sicher nicht die Einzige bleiben.

Michaela Frech ist neben ihrer Tätigkeit in der Mühle Ernährungsberaterin. Sie und ihre Mutter, Angela Frech, erklären den vielen Besuchern und Gruppen, die zu ihnen kommen, was das Besondere an ihren Mehlen ist. Schon viele haben auf ihre Anregung hin begonnen, selbst Brot zu backen, mit längeren Gärzeiten und weniger Hefe zu experimentieren und den erstaunlichen Geschmack zu entdecken, der dabei entsteht. Mit ihrer Backfibel gelingt auch Anfängern ein herrliches, wunderbar aromatisches Brot.

Mühlenprodukte ohne Zusatzstoffe

Wer durch Honau fährt, sollte auf jeden Fall dem Mühlenladen gleich neben der Bundesstraße einen Besuch abstatten. Dinkel gibt es hier in allen Ausmahlstufen, bis hin zum Musmehl für den traditionellen Schwarzen Brei. Eine weitere Spezialität der Lichtensteinmühle ist der selbst hergestellte Dinkelgrieß – für einen leckeren Grießbrei – und der Dinkeldunst, der verwendet wird, um Spätzle griffiger zu machen. Es gibt Weizen und Roggen von Feldern auf der Alb, Müslis, Haferflocken und Backmischungen. 

In sämtlichen Mehlen und Backmischungen der Lichtensteinmühle findet sich kein einziger Zusatzstoff, keine zugesetzten Enzyme, Emulgatoren oder Konservierungsstoffe. Neben ihnen steht in den Regalen des Mühlenladens ein umfangreiches Sortiment ausgesuchter und regionaler Produkte, darunter auch die Eier der Hühner von Müllermeister Hans Geiselhart, dem seit 30 Jahren in der Mühle arbeitenden Schwager von Wolfgang Frech.

Im Getreide liegen, ernährungsphysiologisch betrachtet, riesige Schätze. Wer sie heben will, wer das große Potential seiner täglichen Ernährung nutzen will, der findet in der Lichtensteinmühle das Wissen, das Engagement und die Beratung, die er braucht. Denn das Alltägliche steckt voller Möglichkeiten

Datum

04.12.2017