Residenzschloss Urach - Eberhard-Mechthilds-Universität Tübingen?!
Eine zeitgenössische Inschrift benennt „Die hochedle Herrin Mechthild, eine geborene Pfalzgräfin bei Rhein und Erzherzogin von Österreich, und der edle Eberhard, Graf von Württemberg, deren Sohn“ als Gründer der Universität in Tübingen. Schon dies macht deutlich, welchen Einfluss die Kurfürstentochter Mechthild von der Pfalz bei der Gründung der Universität Tübingen1476 hatte. Die Ausstellung „Mechthild im Spiegel der Zeit“, die im Uracher Schloss noch bis 1. März zu sehen ist, beleuchtet nicht nur Mechthilds Bedeutung zu Lebzeiten, sondern auch deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit.
Die Bildung in die Wiege gelegt
Mechthild wird 1419 als Tochter des Pfalzgrafen Ludwig III. im Schloss Heidelberg geboren. Sie wächst damit nicht nur an einem der glänzendsten Höfe Europas auf, sondern auch in einer der frühen Universitätsstädte des Heiligen Römischen Reichs. Ihr Großonkel Ruprecht I. war es, der hier im Jahr 1386 eine Universität gegründet hatte; die älteste auf heutigem deutschem Staatsgebiet. Es ist wenig bekannt über die Kindheitstage der jungen Fürstentochter. Dennoch kann es als erwiesen angesehen werden, dass sie durch das Umfeld einer kulturell-wissenschaftlich interessierten Familie stark geprägt wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass sie in ihrem späteren Leben an zwei bedeutenden Universitätsgründungen maßgeblich beteiligt sein sollte - Freiburg im Breisgau und Tübingen.
Zwei Ehen – Zwei Universitäten
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird Europa von einer Welle von Universitätsgründungen erfasst, die nun auch dem Süden Deutschlands neue Bildungseinrichtungen beschert. Benannt sind sie zumeist, wie damals üblich, nach ihren männlichen Erbauern. Mechthilds Leben als junge erwachsene Frau führt sie nach Württemberg, wo sie zunächst die Ehe mit Graf Ludwig I. von Württemberg eingeht. Nach dessen frühem Tod heiratet sie erneut – Erzherzog Albrecht VI. von Österreich, den Bruder des Habsburger Kaisers. Dieser gründet 1457 die nach ihm benannte Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Es ist bis heute nicht gesichert, ob Mechthild tatsächlich bei dieser Universitätsgründung involviert war, namentlich genannt wird sie in den Unterlagen nicht. Es gilt aber als sehr wahrscheinlich. Gesichert ist, dass sie der Universität Einkünfte aus der Rottenburger Pfarrkirche St. Martin hat zuweisen lassen als Grundlage für die Finanzierung der Professorengehälter. Bei der Gründung der zweiten Universität ist die Faktenlage schon weitaus sicherer. Hier hatte sie nicht nur großen Einfluss, sondern war maßgeblich an deren Umsetzung beteiligt.
Tübingen wird Universitätsstadt
Graf Eberhard V., Sohn von Fürstin Mechthild von der Pfalz und Graf Ludwig I. von Württemberg, dem selbst der Zugang zu höherer Bildung verwehrt geblieben war, wollte Einfluss auf die Bildungshoheit nehmen, die bislang in den Händen der Klöster lag. Eine eigene Universität sollte ihm darüber hinaus die Ausbildung ihm loyaler Staatsdiener gewährleisten. Doch die Umsetzung seiner vorausschauenden Ideen drohte am Geldmangel zu scheitern; die Landesteilung und die politischen Abenteuer seines Onkels Ulrich des Vielgeliebten hatten die Staatskasse ruiniert, Württemberg war hoch verschuldet.
Hier nun tritt seine Mutter Pfalzgräfin Mechthild auf den Plan. Sie sah sich zu dieser Zeit bereits durch zwei Witwensitze - dem Württembergischen und dem Habsburgischen – wohl versorgt. Offensichtlich bestand schon bald zwischen Mechthild und Eberhard der Plan, die reichen Pfründeinkünfte, über die Mechthild von württembergischer Seite verfügte, in eine Universitätsgründung einzubringen. Nach mehreren Anläufen erhielt Graf Eberhard V. schließlich im Frühjahr 1476 von Papst Sixtus die Bulle für die Verlegung des Chorherrenstifts von Sindelfingen nach Tübingen. In dieser Urkunde wird Mechthild nicht nur in einem Nebensatz namentlich erwähnt, es wird ganz deutlich auf das Patronat der Fürstin hingewiesen.
Erst nachdem diese Bulle vorlag, beantragte Graf Eberhard die Erlaubnis zur Errichtung einer Universität, die er im November 1476 bekam. Bis ins Detail werden hier die Ausstattung und Versorgung der neuen Universität geregelt; Mechthild wird von Papst Sixtus IV. als seine in „Christus geliebte Tochter“ bezeichnet. Ihr Name steht in diesem vom Paps ausgestellten Gründungsdokument an erster Stelle. Ein Abdruck dieser Bulle sowie ein Flössereibrief, in dem Mechthild ihrem Sohn das zollfreie Flößen auf dem Neckar zusichert, sind ebenfalls in der Ausstellung im Uracher Schloss zu sehen. Die zollfreie Flößerei war immens wichtig, um genügend Bauholz aus dem Schwarzwald nach Tübingen zu befördert, wo Baumaterial in diesen Dimensionen nicht zur Verfügung stand. Im März 1477 wurde landauf landab die Eröffnung der Universität am 3. Juli 1477 bekanntgemacht, und dieses öffentliche Schreiben nennt auch Mechthild ausdrücklich als Gründerin.
Ohne Mechthilds Ermutigung und Unterstützung von Ehemann und Sohn und ihre finanziellen Mittel wäre es wohl nicht zu einer Universitätsgründung gekommen. Weshalb also nicht, frei nach dem Motto „wer bezahlt, wird genannt“ eine Umbenennung der Tübinger Universität in Mechthild-Eberhards-Universität?
Anmeldung & Programm
Für die Sonderführungen mit begrenzter Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich unter Tel. 07125 158 490
Das Programm mit allen Sonderführungen in Schloss Urach sind an der Schlosskasse, im Internet unter www.schloesser-und-gaerten.de oder über das Info-Telefon der Staatlichen Schlösser und Gärten 0 72 51/74-27 70 erhältlich. Der Versand der Prospekte ist kostenlos.
