Mythos Schwäbische Alb
05.12.2022

Die neue Ausgabe des Magazins Marktleben: Weltgeschichten

© Marktleben
© Marktleben
© Marktleben
© Marktleben

Der faire Dreiklang

Drei Geschäfte in Reutlingen haben sich auf fair Produziertes spezialisiert und leben damit ihr Engagement für eine Welt, in der es insgesamt gerechter zugehen könnte: Der Weltladen, fashionMIE und Himmelbrett.

„Hinter allem, was wir kaufen, steht eine Geschichte“, erklärt Silja Dietschmann, zuständig für die Textilkollektion im Himmelbrett. Es sind die Geschichten der Herstellung dessen, was bei uns in den Läden auf unseren Einkauf wartet. Die Menschen, mit denen wir für diese Marktleben-Ausgabe sprechen, wissen darüber Faszinierendes zu erzählen.

Geschichten aus der einen Welt

In Peru hat eine Initiative mit fairen Preisen dafür gesorgt, dass 10.000 Bauernfamilien mit dem Anbau von Kaffee heute ein angemessenes Leben führen können. Mit der Umstellung auf Bio-Anbau in Mischkulturen können sie den Folgen des Klimawandels besser begegnen. Die zusätzliche Fairtrade-Prämie ermöglicht den Ausbau der Infrastruktur und gemeinschaftliche Projekte. Der vollaromatische Píde-Café Öko wird im Weltladen als Reutlinger Stadtkaffee angeboten, da die Initiative im Norden Perus vom Eine Welt Verein Reutlingen e.V., dem Trägerverein des Weltladens, unterstützt wurde und wird. 

In Hamburg stellt sich das Team der Firma Recolution der schwierigen Aufgabe, moderne und schicke Mode so zu produzieren, dass sie zeitlos ist und lange getragen werden kann und dabei in allen Aspekten fair zu Mensch und Umwelt produziert wird. Aus ihrem persönlichen Kontakt mit ihnen weiß Silja Dietschmann, wie viel Engagement das braucht, wie oft man dabei mit Firmen in Kontakt kommt, die im Prinzip auch fair und ökologisch arbeiten wollen, und bei denen sich dann doch, wenn es ums Geld geht, Greenwashing und faule Kompromisse einschleichen.

In Dürmentingen bei Biberach gründet 2014 die modeverliebte Inhaberin eines Bioladens ihr eigenes Mode-Label, um Mode, die ihr gefällt aus nachhaltiger Produktion tragen zu können. Sie produziert ihre Marke Lovjoi direkt am Firmenstandort, beschäftigt aus Syrien geflüchtete Schneider und stellt wunderschöne Kleidung her, der Marina Rajkovic in ihrer Boutique fashionMIE in der Kaiserpassage einen Absatzmarkt bietet.

Dreimal fair in Reutlingen

In den drei Reutlinger Läden sammeln sich die Geschichten von Produzenten, Händlern, Engagierten – und Kunden, die alle das Ziel eint, mit Umwelt und Handel etwas fairer umzugehen, als sich das im Zuge der Globalisierung allgemein entwickelt hat.

Der Weltladen bietet als Fachgeschäft des fairen Handels seit 1994 ein breites Sortiment fair gehandelter Produkte an, von Kaffee und Schokolade bis hin zu Textilien. „Die zertifizierten fairen Modelabels verwenden umwelt- und hautfreundliche Natur- materialien. Körbe, Taschen oder Schmuck sind in Handarbeit gefertigt“, erläutert die Ladenleiterin Anette Scholz. Etwa 40 Ehrenamtliche helfen mit, das Geschäft zu den üblichen Öffnungszeiten offen zu halten – das gelingt bei weitem nicht allen Weltläden in Deutschland.

„Kurze Transportwege, einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und den Verzicht auf Kinderarbeit“, das ist das Motto für Marina Rajkovic in ihrer Boutique fashionMIE für nachhaltige Mode aus Deutschland und Europa. Viele Firmen, die zu klein sind, um sich eigene Läden leisten zu können finden hier ihren Platz, darunter sehr lokale Unternehmen. Ein Mekka also für Liebhaberinnen von regional Produziertem, aber auch für Frauen und Männer, die bei nachhaltiger Mode auf einen individuellen Stil nicht verzichten möchten.

Das junge, gutgelaunte Team um Geschäftsführer Tim Würz hat das Sortiment des Brettsportladens Himmelbrett am Reutlinger Burgplatz um eine gute Auswahl nachhaltig produzierter Mode erweitert. Jung, modisch und alltagstauglich sortiert findet man hier, auch ohne Brettsport-Liebhaber zu sein, als Frau oder Mann was man braucht, um nachhaltig angezogen zu sein.

Fair wird immer mehr

Im Engagement für Handel, Bildung und Politik geht es immer wieder darum Menschen für faires Handeln, faires Einkaufen zu motivieren. „Wir arbeiten dafür, dass es immer mehr Menschen ein Anliegen wird, dass es gerechter zugeht in unserer Welt.“ So fasst es Günter Banzhaf, Vorstand beim Eine Welt Verein Reutlingen zusammen. Das stimmt nachdenklich, denn wer würde von sich sagen, dass er das nicht will? Und doch ist der Anteil fair gehandelter Produkte erstaunlich klein.

Beim Kaffee sind es 6%, dem klassischen Fairtrade-Produkt. Bei Textilien kommen wir wohl kaum auf nur ein Prozent. Aber die Zahl der Menschen, die sich ihren Wert „Gerechtigkeit“ auch finanziell etwas kosten lassen, steigt beständig, so die Beobachtung in den drei Geschäften. Gerade für Artikel wie Textilien ist es wichtig, dass wir in unserer Stadt Geschäfte haben, in denen wir sie anfassen und anprobieren können.

Faire Produkte sind oft die besten ihrer Art. Stil und Haltbarkeit bei der Mode, Ge- schmack und Natürlichkeit bei Lebensmitteln übertreffen oft die großen Marken, die viel Geld in ihr Image investieren. Und an Weihnachten schenkt man gerne etwas, was mit dem Grundgedanken dieses Festes in Einklang steht. Es soll dem, der es trägt, isst oder gebraucht das gute Gefühl geben, etwas richtig gemacht zu haben, ein kleines Stück beizutragen zu einer Welt, die wir uns alle wünschen. Wie schön, dass wir in Reutlingen dafür einen Dreiklang von Geschäften mit großem Engagement für Fairness haben, die eine so große Auswahl bieten.

www.marktleben.de

www.fashionmie.de | www.himmelbrett.dewww.weltladen-reutlingen.de

 

Datum

05.12.2022