Gemeinsam für das historische Erbe
Dampfzug der Achertalbahn findet Perspektive auf der Schwäbischen Alb
Mehr als drei Jahrzehnte gehörte er zum vertrauten Bild zwischen Achern und Ottenhöfen: Der historische Dampfzug der Achertalbahn. Bereits in den nächsten Tagen wird die Dampflok samt den drei Personenwagen auf der Schwäbischen Alb erwartet. Dies haben der Achertäler Eisenbahnverein (AEV) und die Schwäbische Alb-Bahn (SAB) am Freitag bekanntgegeben. Der Vorsitzende des Achertäler Eisenbahnvereins, Bernd Roschach, und der Vorsitzende und Betriebsleiter des Vereins Schwäbische Alb-Bahn, Bernd-Matthias Weckler, betonen das Ziel der Kooperation: „Beide Vereine wollen sich gemeinsam für das historische Erbe des Dampfzugs der Achertalbahn einsetzen“.
Schon bald werden die Ur-badischen Fahrzeuge zusammen mit den SAB-Wagen in der karg-Schönen Landschaft der Schwäbischen Alb zu erleben sein. Für das kommende Frühjahr sind gemeinsame Fahrten der badischen Lok 20 mit der württembergischen T3 unter dem Motto „Baden-Württemberg-Dampf“ geplant.
Gepflegt und betrieben wurde das badische Zügle über viele Jahre von den ehrenamtlichen Mitgliedern des Achertäler Eisenbahnvereins. Nachdem die Unterbringung von Lok und Wagen in Ottenhöfen nicht mehr möglich war, musste der Fahrbetrieb 2013 aufgegeben werden. Daraufhin erstellte der AEV ein neues Konzept für einen Museumsbahnbetrieb im Harmersbachtal zwischen Gengenbach und Oberharmersbach.
Als erste Übergangslösung wurden die Fahrzeuge in einem Lokschuppen in Offenburg untergebracht. Allerdings muss der AEV dafür laufende Mietkosten aufbringen, die ohne die Einnahmen aus dem Fahrbetrieb nicht mehr gestemmt werden können.
Die betriebsfähigen Fahrzeuge stehen seither ungenutzt im Schuppen. Den Ablauf der Fristen zur Durchführung neuer Hauptuntersuchungen vor Augen, verhandelte Roschach mit Museumsbahnen in Baden. Die erhoffte Lösung brachten allerdings erst Gespräche mit der Schwäbischen Alb-Bahn.
Durch die Kooperation mit der SAB können nun die erforderlichen Mittel generiert werden, um die laufende Unterhaltung sowie die Durchführung der anstehenden Untersuchungsfristen sicherzustellen. „Die Rahmenbedingungen für die Erhaltung des Kulturguts Eisenbahn mit über 100 Jahre alten Fahrzeugen werden für alle Vereine in Deutschland immer schwieriger, ich sehe die Zukunft der Museumsbahnen daher vor allem in Kooperationen“ sagt SAB-Chef Bernd-Matthias Weckler.
Bernd Roschach ist zuversichtlich, dass der weitere betriebsfähige Erhalt der Fahrzeuge durch die Vermietung des Zugs an die SAB gelingt: „Es wäre fatal gewesen, wenn die Fristen der Lok und der Wagen bis zu Neustart im Harmersbachtal abgelaufen wären und wir uns zusätzlich zu allen anderen Arbeiten bei den Fahrzeugen von vorn anfangen müssten“. In den kommenden Monaten möchte Bernd Roschach Lösungen für eine Zukunft der historischen Eisenbahn im Harmersbachtal finden.
Der Verein der Schwäbischen Alb-Bahn mit 260 Mitgliedern beschäftigt sich seit 2003 vor allem mit der Erhaltung der württembergischen Eisenbahngeschichte. Die damals stilllegungsbedrohte, 43 km lange Strecke Engstingen-Münsingen-Schelklingen wurde mit breiter Unterstützung der gesamten Raumschaft wiederbelebt, in Münsingen ein neuer Lokschuppen gebaut und ein touristischer Verkehr mit historischen Schienenbussen und Dampfzügen eingeführt. Bestehende Kooperationen unterhält die SAB mit den Ulmer Eisenbahnfreunden e.V. (UEF) sowie mit der Stuttgarter Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen e.V. (GES), deren württembergische T3-Dampflok aus dem Jahr 1905 nun Gesellschaft aus der Ortenau bekommt.
Für Bernd Roschach ist die Entwicklung der SAB ein Vorbild für seine Pläne im Harmersbachtal. Die Verbindung zwischen den beiden Vereinen und ihren Vorsitzenden besteht schon seit vielen Jahren: So brachte Roschach als Dampflokführer sein Know-How bereits ein, als die SAB im Jahr 2004 begann, als touristische Attraktion einen damals noch gelegentlichen Betrieb mit Dampfzügen aufzubauen.
Als die Württemberger Eisenbahnfreunde auf der Schwäbischen Alb von ihren Kollegen hörten, welche Probleme sich für die Badener aufbauten, handelten sie rasch. „Viele historisch wertvolle Relikte aus der großen Zeit der Eisenbahn sind verloren gegangen, weil rechtliche, politische oder technische Vorgaben dem Erhalt entgegengestanden“, sagt Bernd-Matthias Weckler. So seien nur wenige württembergische Fahrzeuge erhalten geblieben. „Wenn wir nun unseren Teil dazu beitragen können, dass ein Teil des Achertäler Zuges mit seinen historisch besonders wertvollen und authentischen badischen Fahrzeugen erhalten werden kann und wir damit gleichzeitig das Projekt im Harmersbachtal unterstützen können, werden damit unserer Verantwortung für die Bewahrung der gemeinsamen Geschichte als baden-württembergische Eisenbahnfreude insgesamt gerecht“, so Weckler.
Erstmals wird die Lok 20 am 4. September beim „Bier-Express“ auf der Alb präsentiert. An diesem Tag wird das 500-jährige Jubiläum des Reinheitsgebots des deutschen Bieres in Münsingen und Umgebung gefiert. Zahlreiche Sonderzüge werden auf die Strecke gehen, an den Bahnhöfen unterwegs sorgen die sechs regionalen Brauereien für Festbetrieb. Roschach wie Weckler freuen sich gemeinsam mit ihren Mitstreitern über viele Gäste aus der Ortenau und darüber hinaus. „Ich bin sicher, dass es den Leuten bei uns gefallen wird - auch wenn hier keine Reben wachsen und der Tag im Zeichen des Bieres steht“, kommentiert der SAB-Vorsitzende. Ab Mai nächsten Jahres stehen Lok und Wagen dann auch für Sonderzüge im Rahmen des SAB-Charterprogramms zur Verfügung.
Über die Möglichkeiten einer ganz persönlichen, exclusiven Charterfahrt für alle Anlässe mit dem Zug der Achertalbahn oder der württembergischen T3 berät der SAB-Reisedienst unter 07381/5017556 oder reisedienst@bahnhof-muensingen.de gerne.
Informationen über die geplanten Fahrtermine sowie das komplette Jahresprogramm der Schwäbischen Alb-Bahn findet man auf www.bahnhof-muensingen.de Die touristischen Highlights der Region, Tourenvorschläge sowie Übernachtungsmöglichkeiten sind auf www.muensingen.com zu finden.
