Mythos Schwäbische Alb
30.09.2020

Hierbleiben – Spuren nach Grafeneck UA

am Fr, 02.10. finden um 11.00 und 14.30 Uhr Vorstellungen unserer Produktion „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“ in Reutlingen statt, zentral auf dem Marktplatz (neben dem Riesenrad, das sich auch während der Vorstellungen weiterdreht). Produziert vom Verein Theater in der Tonne e.V. Reutlingen

Sie lebten in verschiedenen Einrichtungen, als 190 die bald schon berüchtigten grauen Busse vorfuhren und sie zum idyllisch gelegenen Schlösschen Grafeneck brachten. Wenig später erhielten ihre Angehörigen und Institutionen Nachricht vom überraschenden Ableben dieser Verwandten bzw. Schützlinge. Unter dem Decknamen T4 wurden hier erstmals systematisch und in großem Rahmen Menschen umgebracht, die den Nazis als Behinderung für die Gesellschaft erschienen, mit der perfiden Begründung, dass für ihre Betreuung mehr aufgewandt werden müsste, als ihre Arbeitskraft letztlich einbrächte. Innerhalb nur eines Jahres waren es 10.654 Menschen mit Behinderungen aus ganz Baden-Württemberg und angrenzenden Gebieten sowie NRW, die auf diese Art in eigens dafür eingerichteten Gaskammern in Grafeneck ermordet wurden.
Auf ihren Spuren bewegt sich diese spartenübergreifende, mobile Produktion, greift Fakten und Hintergründe wie konkrete Biografien Betroffener auf und setzt sich assoziativ, spielerisch in ganz unterschiedlichen Kunstformen damit auseinander. Das inklusive Ensemble wird dabei von Künstler*innen ganz verschiedener Bereiche (Tanz, Musik, Medien, bildender Kunst) begleitet. Nach und nach (in einem Zeitraum von September 2020 – Juni 2021) werden 24 der betroffenen Orte besucht und die Produktion open air als Straßentheater zur Aufführung gebracht mit interaktiven und improvisierten Elementen, durch die auch jeweils der direkte Bezug zum Ort und seinen ehemalige wie aktuellen Bewohner*innen hergestellt wird.

Anders als geplant gibt es nun feste Sitzplätze (in Reutlingen 60), um den nötigen Abstand im Publikum einhalten zu können. Deswegen ist es sinnvoll, sich die ganze Vorstellung, die ca. 2 h dauert und Elementen des Tanztheaters, Schauspiels, Musik, Multimedia und sogar bildender Kunst zu einem vielschichtigen Gesamtkunstwerk verbindet, anzusehen.

Regie: Enrico Urbanek; Ausstattung: Sibylle Schulze; Musik: Michael Schneider;
Choreografie: Yaron Shamir; Multimedia: Casa Magica, Tübingen;
Bildende Kunst: Jochen Meyder; Projektleitung: Maximilian Tremmel
Mit: Haydar Baydur, Dunja Fuchs, Bahattin Güngör, Coralie Honl, Seyyah Inal, Daniel Irschik, Roswitha John, Alfhild Karle, Anne-Kathrin Killguss, Santiago Österle, Antje Rapp, Michael Schneider, Gabriele Wermeling

im Hintergrund: Annie Beckmann, Marielle Borsche, Selina Diener, Malou Schubert, Maria Stroppel, Luise Wald, Katharina Witte

In Kooperation mit BAFF [Träger Lebenshilfe und BruderhausDiakonie], der Fakultät für Sonderpädagogik der Päd. Hochschule Ludwigsburg, den BruderhausDiakonie-Werkstätten Reutlingen sowie der Habila GmbH Rappertshofen Reutlingen

Gefördert von LEADER (Maßnahmenprogramm der Europäischen Union zur modellhaften Förde­rung innovativer Aktionen im ländlichen Raum), TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel (ein Initiativprogramm der Kulturstiftung des Bundes) sowie Daimler Truck

Website des Projekts spuren-nach-grafeneck.de

Datum

30.09.2020