Regionale Süßkirschensorte „Ermstäler Knorpelkirsche“ als Archepassagier bei Slow Food aufgenommen
Streuobstwiesen haben eine enorme Obstsortenvielfalt. In Baden Württemberg sind mehrere Hundert Obstsorten bekannt. Weltweit werden über 20.000 Sorten geschätzt. Im Lebensmitteleinzelhandel werden z.B. bei Äpfeln allerdings oft nur wenige Sorten wie Elstar, Jonagold oder neuerdings die Pink Lady angeboten. Aber wer kennt schon eine Sorte wie den Braunen Matapfel, den Geflammten Kardinal, den Roten Astrachan, einen Signe Tillisch oder die Herzogin Elsa. Auch kleinräumig gibt es so genannte Lokalsorten, wie den Betzinger Grünapfel, den Reichenecker Kernapfel, den Reutlinger Streifling, den Fetzer Apfel oder das Rosenbärbele.
Mit dem Verlust unserer Streuobstwiesen geht diese Sortenvielfalt ebenfalls verloren. Dabei wissen wir gar nicht, ob die Gene und Inhaltstoffe solcher Sorten vielleicht in der Zukunft noch eine Bedeutung hätten. Z.B. könnten noch unentdeckte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe im Kampf gegen Krebs oder andere Krankheiten helfen.
Daher setzen sich das Land, der Landkreis und der Kreisobstbauverband* dafür ein, solche Sorten für die Zukunft zu erhalten! Dazu wurden drei Regionalsorten aus dem Kreis Reutlingen, der „Reutlinger Streifling“, der „Betzinger Grünapfel“ und die „Ermstäler Knorpelkirsche“ bei einem Landesprojekt gemeldet, bei dem versucht wird diese Sorten zu erhalten und gleichzeitig Privatleute als Paten für das Projekt zu finden. Außerdem beantragte der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine bei Slow Food** mit Erfolg, die Sorte "Ermstäler Knorpelkirsche" als Archepassagier aufzunehmen. Dadurch sollen bessere Vermarkungschancen erreicht werden und letztlich auch, dass diese Sorte für unsere Heimat erhalten bleibt. Übrigens: Beim Neigschmeckt-Markt in Reutlingen am 27. Juli im Stadtgarten wird diese Sorte der Äffentlichkeit vorgestell. Besucher dürfen diese Kirsche dann frisch, als Saft, Likör oder als Secco kosten.
Solche Produkte können nur mit Unterstützung entwickelt und produziert werden, mit Unterstützung der Bevölkerung, der Gütles- und Baumbesitzer, die diese Sorten erhalten, pflegen und das Obst für einen fairen Preis bei den Annahmestellen vollreif und gesund abliefern. Nähere Informationen gibt es bei der Grünflächenberatungsstelle unter Tel.: Nr. 480-3327 oder -3328.
