Vorstellung des Georgenbergweines
Der Anbau von Reben hat in Pfullingen bereits schon im Mittelalter begonnen und ist sicher auch im Zusammenhang mit dem Klarissenkloster zu sehen, wobei der Weinbau aber erst nach dem 30-jährigen Krieg größere Bedeutung erfahren hat.
Im Jahre 1522 – so wurde festgestellt – habe die Herrschaft Württemberg rund 17 Morgen, was 535 Ar entspricht, an Weingärten verfügt, die über den Pfullinger Ortsadel der Remp an sie gekommen waren.
1622 wurde laut Kreisbeschreibung wieder auf unbebaute und teilweise verödete Weinberge hingewiesen, wobei dann 111 Jahre später insgesamt 260 Morgen, deren Großteil am und um den Georgenberg war, als Weinanbaufläche angegeben wurde. Diese Fläche von 260 Morgen entspricht 82 ha, was in etwa das Gebiet der Pfullinger Oststadt ab der Bahnhof-/Bollstraße über das Hägle bis einschließlich dem Wohngebiet Kühnenbach umfasst. Der Anbau von Reben und der Weinbau hat also in Pfullingen durchaus eine lange Tradition und so wurde Anfang des 19. Jahrhunderts auch der bisher ausgesparte Gipfel des Georgenberges mit Wein angebaut.
Der schrittweise Niedergang des Weinanbaues wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts festgestellt – als Grund waren zum Teil die Rebenkrankheiten, die von Nordamerika eingeschleppt wurden, zu nennen. Daneben änderten sich auch die Trinkgewohnheiten, es wurde verstärkt auf Bier umgestellt.
Nachdem der Weinanbau seit den 1920er Jahren in Pfullingen keine Rolle mehr spielte, wurde man nach der im Jahr 2005 rund um den Gipfel des Georgenbergs durchgeführten Entbuschungsaktion von Schwäbischem Albverein und Bergwacht dort durch historische Trassen wieder auf den langjährigen Weinanbau aufmerksam. Um die Weinbautradition wiederzubeleben, errichteten dann 2009 die Senioren der Bergwacht mit Unterstützung des Forstbetriebes und des städtischen Bauhofs unterhalb des Georgenberggipfels mit einem immensen Zeitaufwand von über 500 Stunden und mit Steinen, die von einem Hubschrauber hinaufgeflogen wurden, vier Trockenmauern in einer Gesamtlänge von 70 Metern. Diese Arbeit wurde im Oktober 2011 in den Pfullinger Hallen mit dem Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes ausgezeichnet.
Bereits am 14. April 2011 konnte mit der Pflanzung von 190 Reben der Sorte "Regent" der nächste Schritt getan werden. Die bepflanzte Fläche ist in kleinere, selbständig nutzbare und räumlich getrennte Lose untergliedert und wurde an die Pächter der Bergwacht und des Schwäbischen Albvereins Pfullingen zur Eigennutzung verpachtet. Die Rebenpflanzung ist aufgrund der erschwerten Zugänglichkeit und der mangelnden Erschließung des Geländes im Hobbybereich angesiedelt und die künftig zu erwartenden Weinbauerzeugnisse werden ausschließlich zum Eigenverbrauch des jeweiligen Pächters verwendet.
Die Weinreben haben sich in den letzten drei Jahren dank der intensiven Pflege durch die Pächter der Bergwacht und des Schwäbischen Albvereins Pfullingen zunächst sehr gut entwickelt und so kann 2014 erstmals eine erste Probe des "Georgenbergwein" vorgestellt werden.
Nachdem die Trauben allerdings im vergangenen Jahr durch den Hagel schwer geschädigt wurden und auch der Vogelfraß überhandnahm, konnte nur mit einer zeitlich vorgezogenen Noternte ein Teilertrag gerettet und gekeltert werden, mit dem Ergebnis, dass dieser "Jungfernwein" sich qualitativ natürlich noch nicht mit dem künftigen Wein vergleichen lässt. Im Übrigen hat bereits Gottlieb Friedrich Rösler in den "Beiträgen zur Naturgeschichte des Herzogthums Wirtemberg" von 1788/91 festgestellt, dass der Pfullinger Wein den Ruf habe, gesund zu sein und seine höchste Stufe im dritten Jahr erreichen wird, was bedeutet, dass in den nächsten Jahren mit einem weiteren Qualitätszuwachs des "Georgenbergers" zu rechnen ist.
Bildnachweis: Herrn Bernd Mair, Forstrevier Pfullingen