Neue Ausgabe des Magazins Marktleben - Biosphärenmarke
Mit ALBGEMACHT hat das Biosphärengebiet jetzt eine eigene Regionalmarke. Sie steht für direkte Maßnahmen zur Arterhaltung und für einen fairen Umgang mit Natur und Tier.
Natur – das ist Ruhe für die Seele. Das ist aber auch Überlebenskampf. So oder so, Natur ist auf jeden Fall ein großes Ganzes, in dem in unendlich vielen Bezügen alles mit allem verbunden ist. Natur ist ein ungeheuer vielfältiger ewiger Kreislauf. Das Volksbegehren 2019 gegen das Bienensterben hat das Problem der Erhaltung biologischer Kreisläufe stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit gerufen. Je großparzelliger die landwirtschaftlichen Flächen werden, desto größer die Gefahr, dass natürliche Zusammenhänge unterbrochen werden.
Die Kreisläufe der Natur
Insekten werden für die Bestäubung benötigt, aber auch als Nahrung für Vögel. Die Insekten wiederum benötigen Räume, in denen sie sich vermehren können und bestimmte Pflanzen als Nahrung. Das gleiche gilt für Tiere, die wiederum Samen von Pflanzen verteilen. Diese vergleichsweise ganz wenigen Beispiele zeigen, wie in der Natur alles mit allem verwoben ist und Veränderungen an einer Stelle Auswirkungen haben können, an die man erst mal gar nicht denkt und deren Ursache oft lange unbewusst bleibt.
Aber wir haben viel gelernt, die Auswirkungen von zu intensiver landwirtschaftlicher Nutzung sind viel besser bekannt als früher. Wir wissen, wenn wir eine Art verdrängen, kann das eine Zunahme an Schädlingen bedeuten, die bislang von ihr gefressen wurden. Viel wird schon dagegen getan, gerade in Baden-Württemberg. Aber der Kampf um den Erhalt der Artenvielfalt ist sehr schwer, und so braucht es immer neue Ansätze und immer neue Initiativen, die sich für das Recht der Natur einsetzen.
Wege, die Artenvielfalt zu erhalten
Die Idee des Biosphärengebiets Schwäbische Alb ist genau die, eine Wirtschaftsweise zu fördern, mit der der Mensch die natürlichen Grundlagen nicht zerstört, sondern erhält. Das Biosphärengebiets-Team hat sich auf die Suche nach Erzeugern gemacht, die sich dafür in besonderer Weise engagieren wollen. Denn es soll deutlich werden, dass es Wege gibt, so zu wirtschaften, dass Arten erhalten und Landschaften gepflegt werden – und dass die Lebensmittel aus einer solchen Produktionsweise auch qualitativ und geschmacklich zeigen, wie sinnvoll das ist.
In einem gut durchdachten Klärungsprozess wurden Kriterien erarbeitet, die sicherstellen, dass die Produkte der neuen Marke nicht nur streng regional sind, sondern auch einen besonderen Beitrag zum Artenschutz leisten. Seit eineinhalb Jahren ist die Marke unter dem Namen ALBGEMACHT nun in den Regalen regionaler REWE-Märkte auf der Schwäbischen Alb, aber auch zum Beispiel in Reutlingen im REWE Steinbeck und bei den Produzenten zu haben, und sie etabliert sich zusehends.
Von sieben Säulen wird die Marke konzeptionell getragen. Als erstes gilt, dass die Produkte, einschließlich aller Inhalte, weitestgehend aus dem Biosphärengebiet oder einem Umkreis von 5 km kommen müssen. Darüber hinaus muss jedes eine verbindliche Leistung zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt erbringen. Bauern bewirtschaften mindestens 15% ihres Grünlands als artenreiche Mähwiesen, mindestens 5% der Äcker werden extensiv oder als Blühbrachen genutzt. Schäfer und Obstverwerter tragen zum Erhalt von Wacholderheiden und Streuobstwiesen bei, die sehr artenreich, aber auch sehr aufwendig in der Pflege sind. Weinbauern legen zwischen ihren Reben Blühflächen an, in eigens angelegten Trockenmauern und Steinschüttungen siedeln Eidechsen.
Vorteile für alle
Ob Feldhase oder Wiedehopf, ob Wendehals oder Rotmilan, ob Reptil oder Insekt, auch Pflanze und Boden, sie alle profitieren von jedem ALBGEMACHT-Produkt. Und das direkt bei der Produktion jedes einzelnen Lebensmittels.
Dabei ist ALBGEMACHT auch Beispiel für die Pflege regionaler Lieferketten: In den Maultaschen der Metzgerei Zeeb etwa ist der Dinkel-Grieß von der Lichtensteinmühle, Fleisch von den Rindern der Hofmolkerei Schmid und Wecken von Bäcker Philipp Tiefenbach – und in Tiefenbachs Kartoffelbrot sind wiederum die Kartoffeln von Timo Nau.
Alle elf ALBGEMACHT-Produzenten sind in einem Verein organisiert. Jährlich werden die sieben Kriterien der Marke überarbeitet. Neben Regionalität und Artenschutz geht es dabei um Tierwohl, natürliche Verarbeitung, Freiheit von Gentechnik, und Transparenz durch jährliche externe Kontrollen. Und dabei wird schon deutlich, was die siebte Säule des Konzepts ist: Die Fairness, nicht nur zwischen allen Beteiligten und den Kunden gegenüber, sondern auch gegenüber Natur und Tieren.
Der Geschmack von Respekt
Bei der Kriterien-Überarbeitung sind jedes Jahr neben dem Verein und dem Biosphärengebiets-Team auch weitere Vertreter von Hochschulen, Landwirtschafts- und Naturschutzverbänden mit am Tisch. Man sieht: Bei ALBGEMACHT geht es wirklich darum, ganzheitlich zu denken und keine Perspektive aus dem Blick zu verlieren.
ALBGEMACHT, das ist Artenvielfalt, die über den Gaumen und durch den Magen geht. Im Lammschinken, im Käse, im Honig schmeckt man die Wiesen der Schwäbischen Alb. Fleisch, Milch, Dinkel, Wein und Apfelsaft haben durch die natürliche Produktionsweise einen unbestreitbar höheren Wert für unser Wohlbefinden. Und auch die Kartoffel und jedes andere ALBGEMACHT-Produkt genießt man mit dem Wissen, dass es mit Respekt gegenüber Natur und Tieren hergestellt wurde. Mit diesem Hintergrund kann man wirklich von „bewusster Ernährung“ sprechen.
Sichtbar machen, um was es geht
„Mit unseren Produkten, die aus unserer Region kommen, wollen wir unserer Region auch etwas zurückgeben“, erklärt der Vorsitzende des Vereins Albgemacht e.V. Julian Schmid. „Den Artenschutz, für den wir mit unserer Art des Wirtschaftens schon lange stehen, wollen wir mit dieser Marke sichtbar machen“, ergänzt die Schäferin Johanna von Mackensen. Zusammen mit den Weinproduzenten Christine Anhut und Jörg Waldner, der Müllerin Ann-Cathrin Frech und dem Metzgermeister Jürgen Zeeb, haben sie die Marke 2018 ins Leben gerufen.
Die Käse-Produzentin Elisabeth Engst, der Bäcker Philipp Tiefenbach, der Landwirt Timo Nau, Andreas Huber mit seinem naturtrüben Apfelsaft, und der Imker Axel Sonnemann sind inzwischen dazugestoßen. Ihr aller Wunsch ist es, dass sich möglichst viele derer, die, so wie sie, eine natürliche und artgerechte Produktionsweise pflegen, sich der Marke anschließen und so dazu beitragen, dass die Naturverbundenheit, die von so vielen Produzenten im Biosphärengebiet gepflegt wird, mit der Größe der Marke ALBGEMACHT für immer mehr Menschen deutlich wird.
www.albgemacht.de
www.marktleben.de



