Mythos Schwäbische Alb
09.12.2021

Neue Ausgabe Marktleben - Schwäbische Ehrlichkeit

Marktleben
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Marktleben

Schmauder’s Hof ist einer der ganz seltenen Betriebe, die das gesamte Fleisch- und Wurstsortiment, das er in seinen Läden und Marktständen anbietet, vom Futteranbau bis zur Metzgerei selbst herstellt.

Eine Landschaft könnte kaum typischer sein für die Schwäbische Alb, als die bei Mehrstetten. Die Ackerfelder sind selten flach, oft unterbrochen von Wald und Hängen, auf denen Wacholdersträucher wachsen. Ein ständiges Fitnesstraining für die Rinder und Schafe, die hier auf Schmauders Wiesen weiden, und eine Augenweide für alle Besucher.

Wer diese Wiesen mit dem flachen Land in Nord- oder Ostdeutschland vergleicht, versteht schnell, dass Landwirtschaft hier und dort etwas Unterschied- liches bedeutet. Die Strukturen sind kleinflächiger, und so sind auch die landwirtschaftlichen Betriebe kleiner. Selbstverständlich können große Betriebe wirtschaftlicher arbeiten, aber das entfernt sie auch von den natürlichen Prozessen, Landwirtschaft wird heute weithin industriell betrieben. Aber glücklicherweise noch nicht überall!

Alles aus einer Hand

Auf dem Hof der Familie Schmauder in Mehrstetten wird das Futter angebaut, das die Kühe und Schweine zu fressen bekommen und auf Schmauders Wiesen grasen auch ihre Rinder und Schafe. Die Tiere kommen ohne langen Transport zu Michael Schmauder in die hofeigene Metzgerei. Ihr Fleisch, frisch oder als Wurst, bietet die Familie auf Märkten, im Hofladen oder in der Münsinger Filiale an.

Eine solche geschlossene Produktionskette gibt es heute nur noch äußerst selten. In den allermeisten Fällen ist immer nur ein Teil der angebotenen Produkte aus eigener Herstellung. Bei Jürgen Schmauder beträgt der Zukauf gerade mal ein oder zwei Prozent. Nur wenn kurzfristig einmal etwas dringend Benötigtes fehlt, lässt er sich von Kollegen aus der Nachbarschaft aushelfen, so wie er das auch für sie tut.

Der Vorteil liegt auf der Hand: So weiß man wirklich, wo das herkommt, was man isst, und wie es hergestellt wurde. Im heute so unübersichtlich gewordenen Lebensmittelhandel ein seltener Wert. Die kurzen Wege sind nicht nur ein Vorteil für die Tiere, denen stressige Transporte erspart bleiben. Kochwurst wird hier hergestellt, während die Zutaten noch warm sind, Frische ist Trumpf wenn alles Hand in Hand geht.

An der frischen Luft

Ob man es schmeckt, dass das Tier, dessen Fleisch man isst, an der frischen Luft gelebt, saftiges Gras gefressen hat? Jedenfalls merkt man, dass das Laufen über die Hänge der Alb die Muskeln ausgebildet hat. Und zweifelsohne ist es ein ganz anderer Genuss, wenn man weiß, dass es dem Tier gut ging, dass es Freude und ein gutes Leben hatte.

Auf Schmauder’s Hof sind nicht alle Tiere auf den Weiden, die Bullen und ein Teil der Rinder stehen im Stall. Aber sie stehen und liegen hier auf Stroh, nicht auf Spaltböden und der Stall ist an den Seiten offen, das Klima ist wie draußen, nur ohne Zugluft. Jürgen Schmauder will bewusst konventionell arbeiten, will zu Preisen verkaufen, die für jedermann bezahlbar bleiben.

Der Auslauf für die Schweine ist in Planung, aber schon jetzt hat man den Eindruck, dass sie ihr Leben genießen, wenn sie satt halb neben- halb aufeinander liegen – weil sie es so mögen, nicht weil sie nicht genug Platz hätten. Das frische Stroh, das sie jeden Tag bekommen, wird von Hand eingestreut. „So haben wir jeden Tag Kontakt mit den Tieren “, erklärt Jürgen Schmauder.

Die Natürlichkeit leben

Es fällt auf, dass die Kühe noch ihre Hörner tragen, die beim Milchvieh normalerweise weggezüchtet sind. „Eine Kuh mit Hörnern hat einen anderen Charakter als ohne“, bemerkt Jürgen Schmauder, „sie ist ruhiger, zutraulicher, gelassener im Umgang mit ihren Artgenossen.“

Jedes Jahr bekommen die Kühe ein Kalb. Es darf bei der Mutter bleiben und wird von ihr gesäugt. Und da die Kühe Milch für bis zu fünf Kälber haben, freut sich ein befreundeter Bio-Landwirt darüber, dass er die Kälber seiner Milchkühe hier gut versorgt weiß. Die Kälbchenaufzucht geschieht ohne Druck in ihrem natürlichen Rhythmus. Echte Muttermilch – heute auch leider nicht mehr Standard in der Landwirtschaft – ist das beste Mittel für die Gesundheit der Kälber.

Das alles zu bewältigen und zu koordinieren, dass 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Produkte, die nur kurze Zeit frisch sind, samt allem was dazu gehört, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort haben, ist eine Herkules-Aufgabe – von der Bewirtschaftung der Wiesen und der Sorge für die Tiere über den Metzgereibetrieb bis hin zur Beschickung der Märkte und der Instandhaltung des Maschinenparks. „Das geht nur, wenn die ganze Familie mithilft“, weiß Jürgen Schmauder, „wir sind da alle kampferprobt“. Auf Märkten und bei den Hof-   festen wird mit vereinten Kräften alles gestemmt, die gute Laune dort belohnt für die ganze Arbeit.

Die Vielfalt der Selbstvermarktung

Corona war eine gewaltige Herausforderung für den Hof. Auf Betriebe, die so vielfältig sind, zeigten sich die staatlichen Hilfen nicht gut zugeschnitten, und so musste es ohne gehen. Ann-Cathrin Schmauder trieb in dieser Situation den Ausbau des neuen Hofladens voran, und der eröffnete im Juni 2020 und erfreute sich sofort weit über die Grenzen Mehrstettens hinaus großer Beliebtheit. Neben Wurst, Fleisch und dem leckeren hofeigenen Bauernbrot findet man hier was man in der Küche braucht, alles regional und saisonal verschieden, die Kartoffeln und Eier ebenfalls vom eigenen Hof.

Alle, die sich das Hofleben näher an-sehen möchten, für die stehen neu ein-   gerichtete Ferienwohnungen und Apartments im Haus der Schmauders zur Verfügung. Das Bauernstüble bietet Platz für Feiern mit bis zu 65 Personen und bei den Schmauders können Sie sicher sein, dass die auch satt werden. Da bleiben beim Essen keine Wünsche offen, und selbstverständlich kommen auch Vegetarier auf ihre Kosten. Apropos Essen: Wer zu Weihnachten den klassischen Gänsebraten auf die Tafel bringen möchte, kann auch dieses Jahr wieder das Federvieh von Schmauders Wiesen vorbestellen.

Schmauder‘s Hof, das ist echte Regionalität, bei der nichts gekünstelt ist, das ist schwäbische Ehrlichkeit, anders kann man das wohl nicht nennen. Man muss sich glücklich schätzen, so etwas noch zu finden.

www.schmaudershof.de |www.marktleben.de

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Datum

09.12.2021

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