„Emotion“ kommt von Bewegung
Im neuen Mobilitätszentrum am Münsinger Bahnhof begeistert seit Mai ein einmaliges Tourenkonzept E-Bike-Touristen von nah und fern.
Die besondere Verbindung von Motor- und Muskelkraft wirkt im Gehirn wie ein Trick. Es ist dieses sanfte Rausch-Gefühl, das ein Lächeln in die Gesichter jener zaubert, die zum ersten Mal auf einem E-Bike eine längere Strecke gefahren sind.
Alle wollen das
Durch das Treten erfährt man die eigene Kraft, aber durch den Motor des Bikes, bis zu vierfach verstärkt. Als wäre man es selbst, dem plötzlich diese Kraft zur Verfügung steht, als wachse man über sich selbst hinaus. In der Bewegung erfährt der Mensch seine Körperlichkeit. Empfindungen, die Sport- lern nur nach hartem Training und großen Strapazen zu Teil werden, suggeriert der E-Motor zwischen den Pedalen in jedem Trainingszustand.
Wen wundert es, dass eine solche Erfindung nicht im Bereich der Unterstützung im Alter verbleibt, sondern die Herzen der Freizeitsportler im Sturm erobert? Hans-Peter Engelhart, Tourismuschef in Münsingen und selbst Radsportler, hat daraus ein Konzept gemacht. Die Entdeckung der schönsten Stellen der Münsinger Alb verbindet er mit einer sehr unkomplizierten Einführung in die wunderbare Welt des E-Bikens. In dem frisch gestalteten Häuschen neben dem Münsinger Bahnhof hat am 12. Mai dieses Jahres das Mobilitätszentrum eröffnet. Die aktuellsten E-Bikes gibt es hier, bei Bedarf samt Kinderanhänger und Helm, tage- bis wochenweise im Verleih.
Intelligenz und Sachverstand
Das "E" steht dabei nicht alleine für die elektrische Kraft des Motors, sondern auch für die Intelligenz der Bord-Elektronik. Ein handygroßes Gerät am Lenker, das Bosch Nyon, ist alles in einem: Tachometer, Navigationsgerät, Schalteinheit für den E-Motor, Fitness- und Bord-Computer.
Die von Hans-Peter Engelhart entwickelten Touren, die sternförmig um Münsingen herum angeordnet wurden, sind in diesem Gerät fertig einprogrammiert. Einfach die Route auswählen, und schon wird metergenau angezeigt, wo es lang geht. Leichtigkeit nicht nur beim Fahren, sondern auch bei der Routenwahl und Orientierung. "Das Rundum-sorglos-Paket" nennt das Jürgen Schwald, Inhaber des Münsinger Sportgeschäfts Schneiderhan und Betreiber des Mobilitätszentrums. Für jeden Besucher nimmt er sich Zeit, erklärt die Handhabung der Pedelecs, die Vorzüge der Routen und alles Wissenswerte zum Thema. Bis 25 km/h unterstützt der Motor, somit ist kein Führerschein nötig.
Traumrouten
Und dann geht es los. Ein Vielfahrer, wie Hans-Peter Engelhart, weiß, wo es am schönsten ist. Kein Fortbewegungsmittel erschließt die Landschaft und Schätze der Alb so intensiv und schnell. An einem einzigen Tag erlebt man Wege, Sehenswürdigkeiten und Aussichten, für die man lange wandern müsste, und ist doch nicht so schnell, dass man daran vorbei rauscht, ohne sie genießen zu können.
Die Lauter mit ihren Burgruinen rechts und links, der Albtrauf mit seinen traumhaften Ausblicken, der ehemalige Truppenübungsplatz, Heiden, Höhlen, Felsen und Schluchten - Eindrücke, die nachwirken, egal wie oft man sie sieht. Museen, wie das jüdische Museum in Buttenhausen oder die Erinnerungsstätte an Matthias Erzberger, zeigen alte Schätze, der berühmteste unter ihnen ist die Venus vom Hohle Fels, die man auf Tour 5 erreicht.
Nicht zu vergessen die Gastwirte, die die halbe Kilowattstunde Strom für eine Akkuladung gerne zur Verfügung stellen, während ihre Gäste absteigen, um sich zu stärken. Einige von ihnen wären schon für sich genommen die Tour wert, wie der Landgasthof Hirsch in Gächingen, das Lagerhaus in Dapfen, die Wittstaig in Gundelfingen, der Hirsch in Indelhausen oder die Friedrichshöhle in Wimsen. Und heute müssen Sie nicht auf Kalorien achten, denn Sie bewegen sich ja den ganzen Tag!
Fitness ohne Leiden
Wann immer der Berg zu steil, der Weg zu lang wird, bleibt der Tag dank E-Motor entspannt und locker. Immer ist man in Bewegung, aber ohne das es dabei irgendwann zu anstrengend wird. Da man nicht bis zur Erschöpfung strampelt, investiert man tatsächlich im Laufe des Tages insgesamt mehr Energie als ohne Motor.
Eine große Auswahl von 17 Rädern, Mountainbikes und Tourern, stellt das Mobilitätszentrum zur Verfügung, alle ausgerüstet mit bester Elektronik und starken Akkus von 400 bis 500 Wh. Das reicht im Normalfall für jede Tour, auch ohne Nachladen.
Regionale Synergien
"Da sind eine Menge Dinge gut ineinander gelaufen", freut sich Hans-Peter Engelhart. Für Bürgermeister Mike Münzing und Hauptamtsleiter Thomas Noack war klar: Das Gebäude am Münsinger Bahnhof musste renoviert werden und brauchte eine neue Nutzung. Nach dem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss im Juli 2015 folgte eins aufs andere.
Ein Betreiber für die tolle Idee eines E-Bike-Verleihs musste gefunden werden, und Jürgen Schwald war hierfür die erste Wahl. Über gemeinsame Bekannte im Fahrradhandel bekam Hans-Peter Engelhart Kontakt zu Bosch E-Bike-Systems. Er freut sich, den Weltmarktführer im E-Bike-Premium-Segment für sein Projekt gewonnen zu haben.
Dazu kam, dass das Netz der Fahrradwege vom Landkreis gerade ausgebaut und fertig ausgeschildert wurde. Zusammen mit der "wegweisenden" Idee, fünf gut durchkonzipierte Touren über insgesamt 255 km in die Navis der Bikes einzuspeichern, entstand ein Gesamtkonzept, das in der Tourismusbranche nun auch im eigentlichen Wortsinn wegweisend ist.
