Mythos Schwäbische Alb
05.04.2017

Die Fahrt in die Zukunft

In der Titelstory der 75. Ausgabe von Marktleben zeigt Firma Fischer Fahrräder und Spielwaren in Trochtelfingen, wohin 200 Jahre Fahrradentwicklung geführt haben.

Das Fahrrad ist nun 200 Jahre alt. Das Zweirad, genau genommen, denn die Draisine, die Freiherr von Drais im Jahr 1817 erfand, war ein Laufrad. Das entscheidende an der Erfindung waren jedoch nicht die noch fehlenden Pedale, sondern das Zweirad-Prinzip. Wüssten wir es nicht inzwischen, kein Mensch würde glauben, dass man auf zwei dünnen, hintereinander stehenden Rädern fahren kann ohne umzufallen. Eine absolut geniale Idee, denn wegen der leichten Bauweise und dem geringen Rollwiderstand kann kein anderes Fahrzeug mit so wenig Energieaufwand gefahren werden. Franzosen erfanden später Pedale und Gummireifen, Engländer den Kettenantrieb, und so ist das Fahrrad ein echter Europäer. Es leitete den für jedermann bezahlbaren Individual- verkehr ein und war so auch wichtiger Motor sowohl der Arbeiter- als auch der Frauenbewegung.

Riesiges Potential für den Klimaschutz

Geboren aus den Folgen einer Klimakatastrophe, soll das Fahrrad heute helfen, eine solche zu verhindern. Nach dem Ausbruch eines Vulkans auf den Philippinen 1816 wurde so viel Asche in die Atmosphäre geschleudert, dass ein "Jahr ohne Sommer" gewaltige Ernteausfälle in ganz Europa zur Folge hatte. Unter dem Nahrungsnotstand litten auch die Pferde, sodass in dieser Situation die Draisine ein wichtiger Schritt in Richtung einer neuen Möglichkeit der Fortbewegung war. Durch die Entwicklung immer leichterer Akkus ist heute das E-Bike, in Zeiten des Klimawandels, die große verkehrstechnische Alternative im Individualverkehr. Man wusste immer schon, dass körperliche Bewegung vor und nach der Arbeit gesund ist, fit hält und Stress abbaut. Aber ohne die Motor-Unterstützung kommt man da-bei unweigerlich ins Schwitzen. Der Elektromotor bedeutet für viele den Schritt von der Theorie zur Praxis. Die Bewegung wird nie wirklich anstrengend, und wer so zur Arbeit fährt, braucht nicht erst einmal eine Dusche, wenn er ankommt. Fitnesstraining wird in den Alltag integriert, wertvolle Zeit sinnvoll genutzt. Und wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Verkehrsgeschwindigkeit der Autos etwa in der Münchner Innenstadt 11 km/h beträgt - Reutlingen dürfte im Berufsverkehr weit darunter liegen - so ist man mit dem E-Bike auf Strecken bis 20 km meist schneller am Arbeitsplatz, als mit dem Auto. Bei über 300 Milliarden Pkw-Kilometern jährlich, allein in Deutschland, bedeutet das ein immenses Einsparpotential für Energieverbrauch und CO2-Ausstoß.

Neue Technik verleiht Flügel

So wie die Erfindung der Draisine mit dem Beginn der Asphaltierung der Straßen in Zusammenhang stand, so wird auch heute eine Verlagerung des Individualverkehrs vom Auto auf das Fahrrad vom Ausbau der Fahrradwege abhängig sein. Länder wie Dänemark und Holland sind uns hier weit voraus, aber auch die Stadt Münster zeigt wie's geht: Hier sind bereits 60% des Individualverkehrs Fahrräder! Deutschlandweit erhebt seit vielen Jahren der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC seine Klage gegen die sehr schleppende Entwicklung beim Ausbau der Fahrradwege. Gleichzeitig wird das (E-)Rad auch im Freizeitbereich immer beliebter. Längst hat sich bei jungen Leuten herumgesprochen, dass man nicht alt sein muss, um so viel Spaß zu haben. Martin Fischer kennt das Lächeln derer, die von ihrer ersten E-Bike-Ausfahrt zurückkehren. Der Motor gibt einem das Gefühl, dass man ungeahnte Kräfte entwickeln kann - völlig ohne Training! "200 Jahre nach der Erfindung des Fahrrades stehen wir heute am Anfang ganz neuer Entwicklungen in der Fahrradtechnik", sagt Martin Fischer, der zusammen mit Heidi Grumann den  seit 1907 bestehenden Familienbetrieb Fischer Fahrräder und Spielwaren GmbH betreibt. Seit bereits 20 Jahren führt er E-Bikes und hat somit viel Erfahrung in diesem boomenden Geschäft. In seinem Laden in Trochtelfingen stehen an die 100 verschiedene Modelle, von 1.499 bis 9.000 Euro und von sportlich extravagant bis urgemütlich, mit tiefem Einstieg und Rücktrittbremse. Da stehen E-Bikes mit über 1500 Watt Motorleistung, elektronischer Schaltung und automatischer Wegfahrsperre. Über das Smartphone sind die Räder vernetzt, messen Fitness- und Gesundheitszustand des Fahrers, navigieren und senden einen automatischen Notruf bei Unfällen. Sie steuern den Tretwiderstand passend zum Puls und den sportlichen Ambitionen des Radlers. 

Klug investieren

Es ist vor allem die große Auswahl, die individuelle Beratung und die vielfältige Probefahrt-Strecke, die Menschen dazu bewegt, nach Trochtelfingen zu fahren, um sich hier ein Rad auszusuchen. "50% der Kunden, die zu uns kommen, kaufen ein Rad, das nicht ihren anfänglichen Vorstellungen entspricht, nachdem sie verglichen und sich beraten lassen haben", stellt Martin Fischer fest. Der Service der Fachgeschäfte spricht deutlich gegen einen Kauf übers Internet. "Für ein Fahrrad, das bei uns gekauft wurde, übernehmen wir nicht nur die Garantie, sondern auch die Verantwortung", benennt das Martin Fischer. Werkstatttermine und Ersatzteilbeschaffungen gehen schnell, und es wird nicht jeder kleine Handgriff extra berechnet. Der Trend zum Rad als gebräuchlichem Verkehrsmittel schlägt sich auch in recht- lichen Regelungen nieder. So dürfen Fahrräder und E-Bikes auch als Firmenfahrzeuge geleast werden. Da dabei die Art der Nutzung keine Rolle spielt, ist ein Firmenleasing heute für viele eine ausgezeichnete Möglichkeit ein Bike zu finanzieren, das ihnen sonst zu teuer wäre. Die Firma Fischer ist Pionier auf diesem Gebiet und betreut bereits 60 Firmen, die hier Räder leasen. Karl Drais hat im Zuge der Badischen Revolution 1849 seinen Adels-titel abgelegt. Seine Erfindung wurde ohne Patentrechte nachgebaut, er wurde verfolgt und starb im Alter von 66 Jahren in Armut. Aber seiner Erfindung, das steht 200 Jahre später fest, gehört die Zukunft in unserer Mobilitätsgesellschaft.

 

 

 

 

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